Berg-Ge(he)n

Zum Saisonbeginn auf den Schweinsberg

Der Schweinsberg gehört mittlerweile zu meinen Frühlingsklassikern: viel Sonne auf den meist schon schneefreien Südhängen, überschaubar viele Höhenmeter – ein immer wieder auf’s Neue schöner Start in die Bergsaison!

Späte Anreise

Das schöne an den ersten Touren im Frühjahr ist: ein früher Start lohnt nicht, die Sonne muss erst ein wenig höher steigen. Ich nehme also eine sehr späte Zugverbindung nach Geitau im Leitzachtal – und begehe fast einen Fehler: seit dem letzten Fahrplanwechsel hat sich die Lage der bis Bayrischzell durchfahrenden Züge verschoben. Ich merke es aber noch zuhause, somit rechtzeitig und mache mich letztlich eine halbe Stunde später als ursprünglich geplant auf den Weg zum Bahnhof. Die BRB ist nicht besonders voll und ich finde einen ruhigen Platz. Um fast 11 h rollt der Zug schließlich am einsamen Bahnsteig in Geitau ein – es geht endlich los. Ich schlage den wohlbekannten Weg in Richtung Birkenstein ein und freue mich auf die erste Tour des Jahres!

Noch im Tal verwöhnen erste Frühlingsfarben

Ungewohnt zäher Aufstieg

Kurz vor Birkenstein biege ich auf den Fahrweg zur Spitzingalm. Ich erinnere mich noch gut an frühere Begehungen – es wird steil werden. Allerdings scheint der Weg zwischenzeitlich noch steiler geworden zu sein. Ich kämpfe mich den monotonen Fahrweg hinauf und bin sehr froh, als endlich der kleine Steig abzweigt. Der ist zwar sehr nass und kaum weniger anstrengend, aber irgendwie einfacher zugehen. Trotzdem bin ich froh, als ich endlich die Flächen der Spitzingalm erreiche. Eine neue Bank lädt zu einer Pause ein – ich kann nach nicht einmal 500 Höhenmetern nicht widerstehen. Ungewohnt.

In höheren Lagen dominieren noch die Winterfarben

Frisch gestärkt mache ich mich an den weiteren Anstieg. Es bleibt aber zäh, ein besonderer Tatendrang bleibt zumindest im Tempo zunächst unbemerkt. Aber Meter für Meter geht es voran, nach dem unscheinbaren Abzweig zur Elbachalm finde ich aber zumindest etwas, was zumindest entfernt an einen gleichmäßigen Rhythmus erinnert. Ein wenig erleichtert bin ich aber schon, als ich endlich die Kammlinie erreiche.

Mit einem Bein wieder im Winter oberhalb der Elbachalm

Abstecher zum Türkenköpfl

Oben auf dem nur selten ausgeprägten Grat treffen zwei Welten aufeinander: während auf der Südseite längst kein Schnee mehr liegt, ist die weite Nordflanke noch fast durchgehend weiß. Bevor ich zum Schweinsberg weitergehe, unternehme ich noch einen kurzen Abstecher zum Türkenköpfl auf der entgegengesetzten Seite des Kammverlaufs. Diesen nur auf seiner Westseite etwas auffälligeren Felsenkopf habe ich zuvor noch nie besucht – und freue mich, eine Lücke in meiner Gipfelsammlung schließen zu können. Wobei Gipfel sicherlich etwas hoch gegriffen ist, aber es gibt immerhin ein Kreuz auf der markant felsigen Westschulter.

Wieder ein Gipfel abgehakt!

Ich wähle den Steig auf der Nordseite des Kamms. Glücklicherweise ist dieser einigermaßen gespurt, denn hin und wieder ist der Schnee bereits vereist. Einige Minuten später erreiche ich bereits das Türkenköpfl und bin etwas verwundert: für einen so unbedeutenden Gipfel und angesichts unbeschilderter Zustiege ist durchaus viel Betrieb – im Minutentakt kommt jemand vorbei. Ich muss einige Minuten warten, bis das Wunschbild vom Wendelstein endlich im Kasten beziehungsweise auf den Chip gebannt ist.

Den ganzen Tag über geht der Blick immer wieder zum Wendelstein

Gratwanderung zum Schweinsberg

Erneut gestärkt mache ich mich auf den Weg zum eigentlichen Gipfelziel des Tages. Auf dem Weg zurück nehme ich nach den Erfahrungen des Hinwegs dann doch lieber die südseitige, weglose Variante – und stehe sehr viel zügiger wieder an der Stelle, an der mein Aufstiegssteig die Kammhöhe passiert. Nun heißt es, eine Entscheidung zu treffen: über die Nordflanke etwas ausholend zum Sattel zwischen Kirchwand und Schweinsberg gehen oder doch probieren, ob der alte, längst vergessene Steig über die Kammlinie gangbar ist? Nach einem kurzen Moment des Nachdenkens wähle ich natürlich den Weg über den Kamm und habe wie erhofft Glück: die nach wenigen Minuten im Abstieg zu begehende, steile Rinne ist zwar nicht ganz trocken, aber doch immerhin frei von Schnee. Ich komme somit gut voran und auch der folgende Anstieg zur Kirchwand ist so rasch wie schneefrei erkraxelt.

Es ist noch etwas zu früh für das Meer an Bergblumen, das hier sonst steht

Der folgende Anstieg zum Schweinsberg wird dann so richtig matschig. Ich schalte also einen Gang zurück und steige eher gemütlich hinauf zum Gipfel. Auch hier sitzen bereits zahlreiche Besucher, die sich das schöne Voralpenpanorama nicht entgehen lassen wollen. Aber ich finde ein ruhiges Plätzchen für die nun bereits dritte Pause … Früher war mehr Kondition!

Viel Ruhe am Schweinsberg – wie es wohl gerade am Breitenstein zugehen wird?

Fehlplanung im Abstieg

Meistens habe ich eine ganz gutes Gespür, um zur rechten Zeit am Bahnhof einzutreffen. Heute allerdings nicht: ich bin viel zu schnell im Tal – und muss satte 50 Minuten auf den Zug zurück nach München warten. Das Kneippbecken in der Nähe des Geitauer Bahnhofs ist zwar nicht nicht gefüllt, aber ich genieße die spätnachmittagliche Sonne auf einer bequemen Bank bis zur Abfahrt meines Zuges.

Dieser Zug fährt leider in die falsche Richtung …

Fazit

Zu Jahresbeginn ist’s oft anstrengend – und so war’s auch an diesem Tag. Dennoch eine schöne Frühlingstour mit Sonne, Matsch und Schnee. Ein schöner Start ins Bergjahr 2021!

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