Weißhorn, das klingt nach eis- und schneebedeckten Graten und einem spitzen Gipfel weit über den umliegenden Tälern. Dies trifft auf das Weißhorn in den Fleimstaler Alpen allerdings nicht ganz zu. Dennoch gilt auch hier: nomen est omen! Denn der unmittelbare Gipfelaufbau aus Dolomit zeigt sich häufig von seiner hellen Seite und steht im Gegensatz zum benachbarten Schwarzhorn. Beide Gipfel sind vom Jochgrimm schnell und mit wenigen Höhenmetern zu erreichen. Wir wählen das Weißhorn. Auf uns wartet eine perfekte Tour mit der Kraxe zu unserem Urlaubsbeginn!
Inhalt
Wir weichen den Massen aus
Da es der erste Urlaubstag ist, sind wir – zumindest für die Verhältnisse deutscher Urlauber – eher spät dran. Schließlich müssen wir uns morgens erst noch mit Kaminwurzen, Brot und Obst versorgen. Aber dann fahren wir über steile, jedoch gut befahrbare Straßen zum Lavazèjoch hinauf. Viel Verkehr ist nicht zu entdecken und die ganze Landschaft wirkt ausgesprochen ruhig, als wir auf die überaus holprige Nebenstraße zum Jochgrimm abbiegen. Umso überraschter sind wir, als wir die Parkplätze schon fast ganz gefüllt vorfinden. Immerhin bekommen wir noch einen guten Stellplatz und finden uns wenig später inmitten zahlloser italienischsprachiger Ausflügler wieder. Ferragosto lässt grüßen …

Nicht nur wir lassen das Schwarzhorn links liegen, heute wollen ein paar hundert Menschen das Weißhorn auf dem direkten Weg besteigen. Alle? Nein, nach einem Blick auf die Karte wollen wir ganz bestimmt nicht dazugehören, sondern umrunden spontan das Weißhorn, um über den Nordgrat zum Gipfel zu gelangen. Wir freuen uns sehr über die bald einsetzende Ruhe und genießen die einfache und dennoch abwechslungsreiche Wanderung um das Weißhorn herum.

Umkehr kurz unterhalb des Gipfels
Es dauert gar nicht so lange, bis wir den eigentlichen Anstieg über den Nordgrat beginnen können. Es wird felsiger und bald erreichen wir den Grat. Rechterhand geht es tief in die Bletterbachschlucht hinab. Ich kann mich an dem Anblick gar nicht satt sehen. Die vielfältigen Farben lassen selbst aus dieser Höhe erahnen, wie viele geologische Schichten hier wohl aufgeschlossen sein müssen. Einen Besuch der Bletterbachschlucht stelle ich mir jedenfalls sehr interessant vor, vielleicht klappt’s ja einmal in den nächsten Jahren?

Der Steig folgt dem Gratverlauf und führt nach einer kurzen seilversicherten Passage angenehm entlang des Grats weiter. Das Gelände ist noch einfach, auch wenn der spektakuläre Tiefblick unmittelbar neben dem Steig in die Bletterbachschlucht nicht jedem gefallen wird. So erreichen wir schließlich den unmittelbaren Gipfelaufbau. Lediglich ca. 50 Höhenmeter trennen uns noch vom Gipfelkreuz, wir sind fast oben angekommen. Allerdings wird das Gelände nun sowohl unübersichtlicher als auch anspruchsvoller. Es ist jedenfalls offensichtlich, dass es ohne leichte Kraxelei hier nicht weitergeht. Mit einem Kleinkind in der Kraxe auf dem Rücken ist das nicht meine erste Wahl. Das ist sehr schade und enttäuschend – schweren Herzens müssen wir umkehren.

Etwas verärgert über unsere morgendliche Entscheidung machen wir uns auf den Rückweg. An der erstbesten, einigermaßen komfortablen Wiese legen wir aber eine ausgiebige Pause ein. Vinschgerl, Käse und Kaminwurzen heben unsere Stimmung und geben neue Kraft. Schließlich wollen wir immer noch den Gipfel besteigen!

Weißhorn von vorn
Es ist mittlerweile Nachmittag, als wir wieder den Normalweg zum Weißhorn erreichen. Augenscheinlich gehören wir zu den letzten, die an diesem Tag den Gipfel besteigen, die morgendlichen Kolonnen haben sich längst aufgelöst. Es dauert nicht lange, bis der Gipfel wieder näher rückt. Und dieses Mal stellen sich uns keine ungeahnten Schwierigkeiten mehr in den Weg!

Am Gipfel selbst sind nur noch wenige Besucher, so dass wir ganz ungestört die Aussicht genießen können. Da ist zum einen der Tiefblick in die Bletterbachschlucht, der vom Gipfel noch einmal beeindruckender ausfällt als zuvor.

Auch der farbliche Unterschied zwischen Weißhorn und Schwarzhorn ist leicht auszumachen. Da blüht mein Hobbygeologenherz auf!

Mit dem kurzen Abstieg zurück zum Parkplatz endet dann der unerwartet improvisierte erste Tag unseres Sommerurlaubs in Welschnofen. Bevor wir aber am Auto ankommen, möchte auch unsere Tochter noch ein paar Meter laufen. Nachdem sie fast den ganzen Tag über in der Kraxe saß und die ungewohnte Landschaft staunend betrachtet hat, erfüllen wir ihr diesen Wunsch selbstverständlich gerne. Die Karriere unserer jungen Bergsteigerin, die auf der Tour über die Hörnle einige Wochen zuvor begann, darf ruhig weiter gefördert werden!

Fazit
Aus der geplanten einfachen Tour auf das Weißhorn wurde ungeplant ein kleines Abenteuer. Aber wie häufig kommt’s schon vor, dass ich an einem Tag zweimal fast auf dem gleichen Gipfel stehe? Trotz allem – oder vielleicht deshalb – war der Tag auf und um das Weißhorn herum ein gelungener Auftakt in den Bergurlaub am Rande der Dolomiten. So darf’s weitergehen!
Tourendatum: 18. August 2025
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