Berg-Ge(he)n

Schellschlicht

Der kleine Grenzort Griesen hat seit dem Wegfall der Grenzkontrollen seine frühere Bedeutung völlig eingebüßt. Heute sagen sich hier nur mehr Fuchs und Hase Gute Nacht, aber wundersamerweise hält die Werdenfelsbahn immer noch in Griesen. Das ist ein Glücksfall, denn so lassen sich einige schöne Touren in dieser Ecke des Ammergebirges mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen, so auch die Schellschlicht.

Kehren über Kehren

Als ich in Griesen aus dem Zug steige, ist es noch sehr frisch: bereits im Spätsommer erreicht die Morgensonne den Talboden im kleinen Grenzort nicht mehr. Da ich den Weg ins Tal der Neidernach bereits von zahlreichen anderen Touren kenne, kann ich aber direkt durchstarten. Bald bin ich warmgelaufen und entdecke wenig später auch den unscheinbaren Abzweig zur Schellschlicht auf Anhieb. Der Weg steigt zunächst gemächlich an, nach einer Metallbrücke über die Schellaine führt der nun schmale Steig in unzähligen Serpentinen hinauf zur Schellalm. Dort öffnet sich zum ersten Mal der Blick und ich mache einige Fotos. Allerdings verhindert der Dunst eines heißen Sommertags schönere Bilder.

Gegenlichtblick zur Zugspitze

Oberhalb der Schellalm geht es weniger kurvig, aber konsequent und zügig ansteigend weiter. Der Steig verläuft hier auf einem sukzessive schmaler werdenden Kamm und hat seitlich immer weniger Platz. Bald werden die Bäume weniger, der Kamm schmaler – und die Aussicht immer besser!

Ein erster freier Blick zum Gipfel der Schellschlicht

Aussichtsreiche Pause auf dem Hohen Brand

Wenig später stehe ich am Fuß einer kleinen Felswand. Gut versichert steige ich rasch hinauf und stehe kurz darauf auf dem Hohen Brand. Diese felsige Erhebung im Gratverlauf ist auf der Oberseite bewachsen, die kleinen Wiesen laden zu einer aussichtsreichen Frühstückspause ein. Ich kann natürlich nicht widerstehen!

Vom Hohen Brand ist es nicht mehr weit zum Brandjoch

Gut gestärkt mache ich mich an den weiteren Aufstieg. Dazu muss ich erst einmal wieder vom Hohen Brand zu einem Verbindungsgrat hinabsteigen. Der ist sehr schmal – und zu beiden Seiten geht es steil hinunter. Auf der anderen Seite wird das Gelände aber rasch besser und ich passiere den nicht beschilderten Abzweig zum Schellkopf. Ich zögere kurz, bleibe aber dann bei meinem ursprünglichen Gipfelziel und steige weiter über den meist guten Steig zum Brandjoch hinauf.

Der Schellkopf lockt zu einem Abstecher

Über den Grat zum Gipfel

Der letzte Abschnitt bis zur Schellschlicht sieht nun bereits überschaubar aus. Ich benötige jedoch mehr Zeit als gedacht, bis ich endlich den Gipfel erreiche: der oft unangenehm bröselige Untergrund erfordert viel Vorsicht, zu beiden Seiten lauern immer wieder tiefe Abgründe. Nichts für Leute mit schwachen Nerven …

Der Steig folgt dem Grat vom Brandjoch bis zur Schellschlicht

Erwartungsgemäß geht alles gut, ich erreiche wohlbehalten den Gipfelbereich. Der ist interessanterweise zweigeteilt: neben einer Wiesenfläche erhebt sich ein felsiger Kopf mit dem höchsten Punkt. Ich kraxele etwas ausgesetzt zum Gipfelkreuz hinauf – und bin insgeheim froh, nicht auf dem gleichen Weg absteigen zu müssen. Aber erst einmal ist Brotzeit angesagt!

Die Geierköpfe regen die Bergsteigerfantasie an

Mühsamer Abstieg über die Ostflanke

Aber auch mein geplanter Abstieg über die Ostflanke hat es in sich. Im obersten, noch gipfelnahen Abschnitt komme ich gut vorwärts, dann erreiche ich wieder einmal an diesem Tag unangenehm rutschige Passagen. Einige steile Rinnen sind zu überwinden, die Anforderungen im steilen Gelände sind höher als gedacht: auf der feinen, schon fast zu Sand zerriebenen Schuttunterlage könnten kleine Unachtsamkeiten bereits unangenehme Folgen nach sich ziehen.

Der Markierungstrupp hatte wohl auch etwas Spaß!

Ich lasse mir ausgiebig Zeit, und werde schließlich von Antje eingeholt, mit der ich bereits am Gipfel ins Gespräch gekommen bin. Mit großem Vertrauen in Schuhe und Trittsicherheit ist sie beneidenswert zügig auch in den schwierigeren Passagen unterwegs. Wenig später bessert sich das Gelände: nach einem Gegenanstieg verläuft der restliche Abstiegsweg nun problemlos und mit einer angenehmen Begleitung. Allerdings achte ich nicht auf die Uhrzeit und verpasse in Griesen knapp den angepeilten Zug. Tja, verquatscht …

Fazit

Die Überschreitung der Schellschlicht war fordernder als gedacht: die vielen Erosionsrinnen sind zwar von den umliegenden Anstiegen bereits gut zu erkennen, haben mich vor Ort dann doch überrascht. Dennoch ist die Überschreitung der an vielen Stellen bröseligen Schellschlicht eine für Trittsichere empfehlenswerte Tour!

Tourendatum: 13. September 2020

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