Berg-Ge(he)n

Auerspitze

Viele Gipfel im Mangfallgebirge habe ich schon oft aufgesucht, meine bisherigen Besuche der Auerspitze sind mir aber kaum in Erinnerung geblieben: beide Male waren die Bedingungen vor Ort nicht besonders gut und die ursprünglich gute Wettervorhersage jeweils nicht vollständig zutreffend. Aber so langsam würde ich gerne einmal schöne Fotos von der Tour mit nach Hause nehmen – und sind nicht aller guten Dinge drei?

Gegenverkehr in der Valepp

Mittlerweile bin ich schon in der zweiten Wochen meines Urlaubs – und endlich kündigt sich eine stabile Schönwetterphase an. Endlich wieder mehr Bergtouren, endlich richtig Urlaub! Und nachdem unter der Woche natürlich auch auf dem Weg zu den Bergen viel weniger los ist, kann ich mir einen späten Start erlauben: erst um kurz nach 9 Uhr fahre ich mit dem Zug am Hauptbahnhof los, den natürlich zahlreiche Rentnerinnen und Rentner bereits in Beschlag genommen haben. Alles läuft etwas ruhiger, langsamer und somit entspannter ab als an Wochenenden: der Busfahrer nimmt sich am Bahnhof in Neuhaus ausgiebig Zeit, bis alle Tickets in den Taschen der klischeehafterweise meist beigen oder grauen Jacken gefunden und alle Platz genommen haben. Am Spitzingsee wartet auch schon mein Anschlussbus in die Valepp – die Reisekette funktioniert mal wieder prächtig. Zumindest fast, denn auf dem Weg hinab in die Valepp passiert das, worauf ich schon seit Jahren warte: auf der schmalen Straße, auf der selbst eine Begegnung mit Radfahrern eng ausfallen kann, taucht hinter einer engen Kurve unverhofft ein entgegenkommender Traktor auf. Der Busfahrer scheint das folgende Auge-in-Auge-Duell bereits nach wenigen Sekunden verloren zu haben und legt freiwillig den Rückwärtsgang ein. Eine Demonstration beneidenswerter Fahrkünste später steht der glücklicherweise recht kleine Bus in einer Ausweiche ein paar Kurven weiter oben – so würde ich auch mal gerne fahren können!

Das Duell um die Durchfahrt beginnt …

Aufstieg entlang des Pfanngrabens

Wenige Minuten später verlasse ich den Bus an meinem Ausgangspunkt in der Nähe der Waitzinger Alm: die Anfahrt war lang und ich freue mich, endlich loslaufen zu dürfen. Die ersten Meter auf Fahrwegen sind noch nicht besonders schön, aber die folgende Passage entlang des malerischen Pfanngrabens ist jedes Mal ein ganz besonderes Highlight. Wer auf dem perfekt angelegten Fußweg ohne Fotostopp vorbeigehen kann, dem fehlt einfach die Freude an der Natur!

Zahlreiche Gumpen reihen sich im Pfanngraben aneinander

Obwohl es noch nicht einmal Mittag ist, legen offenbar bereits zahlreiche Gipfelaspiranten eine erste Pause ein und baden in den Gumpen. Mir wäre das etwas zu früh, denn die Tour beginnt ja schließlich gerade erst. Sobald der Steig in den Wald eintaucht, dauert es auch nicht mehr lange, bis die ernsthafte Steigung einsetzt. Ohne den gewohnten Schwung gehe ich wie meistens in diesem Jahr recht gemütlich bergwärts und freue mich, als ich an der Kümpflalm endgültig die Sonne und ein bequemes Pausenplätzchen erreiche. Ganz so idyllisch wie für mich ist dieser ruhige Flecken Natur nicht immer gewesen: 15 Jahre zuvor hauchte hier JJ1 alias Bär Bruno sein Leben aus …

Wenn man den Steig nicht mit ins Bild nimmt, wird’s zur Almidylle

Die Abkürzung wächst langsam zu

Ausgeruht und gestärkt mache ich mich auf den weiteren Weg in die Kümpflscharte. Dort lasse ich den mittlerweile eingesetzten Trubel weitgehend hinter mir und zweige vom viel begangenen Weg zur Rotwand endgültig ab. Stattdessen wende ich mich in Richtung Auerspitze und folge dem wie immer stark verschlammten Steig. Ich bin sehr froh, diesen nur für ein recht kurzes Stück nutzen zu müssen: vor bereits einigen Jahren habe ich einen alten, in Karten aber noch enthaltenen Steig entdeckt, der längst aus dem offiziellen Wegenetz entlassen worden ist. Größtenteils ist er noch gut in Schuß – und viel weniger matschig als der parallel verlaufende, offizielle Steig. In diesem Jahr zeigt sich diese Abkürzung allerdings etwas zugewachsen und ich vermisse in meinem Rucksack eine Astschere.

Ja, genau hier führt der Steig in die grüne Hölle

Gerade im zweiten Teil, dem unmittelbaren Gipfelanstieg, wird der Latschenverhau stellenweise schon sehr dicht. Etwas zerzaust, aber kaum verschlammt erreiche ich wenige Minuten später den kaum besuchten Gipfel. Erfreulicherweise bewahrheitet sich heute die Wettervorhersage und ich kann die Aussicht und die Sonne genießen. Das Panorama ist umfassend, in der spätsommerlichen Mittagszeit sind die Gletscher am Alpenhauptkamm für die Kamera aber eine besondere Herausforderung. Nach ein paar Versuchen konzentriere ich mich dann doch lieber auf die umliegenden Gipfel des Mangfallgebirges.

So einsam wie auf der Auerspitze wird es an der Rotwand nicht sein

Doch kein Abstecher zu den Ruchenköpfen

Nach der ausgiebigen Pause mache ich mich an den Abstieg in Richtung Soinsee. Dieses Mal nutze ich den offiziellen Steig, der mich natürlich prompt in Richtung matschigen Geländes führt. An einem schönen Boulderfelsen vorbei steige ich zum Fuß der Ruchenköpfe hinab. Diesen eigentlich den Kletterern vorbehaltenen, im Vergleich zu den umliegenden Gipfeln imposanten Fels habe ich bisher noch nicht besucht: auf einer schwachen Seite führt ein durchaus gangbarer Steig durch eine Rinne hinauf, der den Kletterern das langwierige Abseilen durch die Wände erspart. Ich finde den Zustieg problemlos, verzichte dann aber doch auf Grund des steilen Charakters: ich muss in fitterem Zustand noch einmal hier vorbeischauen …

Im Profil zeigen sich die Ruchenköpfe als kecker Fels

Der weitere Abstieg zum Soinsee ist gemütlich und mit Sicherheit weniger anstrengend als der ausgelassene Gipfelabstecher zu den Ruchenköpfen. Allerdings ist die Lichtstimmung am Seeufer für Fotos heute wenig geeignet, so dass ich rasch weitergehe. Ganz anders sieht die Sache an der Schellenbergalm aus: die Bänke sind erfreulicherweise leer, so dass ich zum ersten Mal überhaupt hier auf ein kühles Spezi einkehre. Das ist deutlich entspannter, als – wie im Vorjahr an gleicher Stelle – einen SUV anzuschieben! Der weitere Abstieg ist pure Routine: der Weg wohlbekannt, die landschaftliche Schönheit übersichtlich und Flugbetrieb auf dem Geitauer Segelflugplatz an einem Werktag auch nicht zu erwarten. Immerhin lege ich noch auf dem Weg zum Geitauer Bahnhof einen letzten, lohnenden Fotostopp am Krottenthaler Graben ein.

Der Krottenthaler Graben hat den Talboden fast erreicht

Fazit

Da weiß man, was man bekommt: die Tour zur Auerspitze unspektakulär, aber schön. Bergsteigerische Hausmannskost!

Tourendatum: 2. September 2021

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