Sehr spontan versuchen wir, Mitte Juli noch ein Quartier für unseren geplanten Südtirolurlaub in der zweiten Augusthälfte zu finden. Aber ganz Südtirol ist ausgebucht. Ganz Südtirol? Nein, in Welschnofen im Eggental finden wir noch eine verfügbare Ferienwohnung! Zwei schönen Urlaubswochen am Rande der Dolomiten steht also nur noch eine Anfahrt mit Kleinkind im Wege, die wir mit einer langen Pause in Sterzing überraschend gut meistern!
Inhalt
Spaziergänge und kurze Wanderungen
Welschnofen liegt in einem Seitenast des Eggentals. Obwohl von hier aus Rosengarten und Latemar bereits zum Greifen nah sind, sind von hier aus, oft verbunden mit einer kurzen und Dank Mobilcard kostenlosen Busfahrt, auch überraschend viele gemütliche Wanderungen und Spaziergänge möglich. Da wir mit Nachwuchs nicht jeden Tag alpin unterwegs sein können und wollen, nutzen wir diese Möglichkeiten natürlich ebenfalls. Immer mit dabei ist die Kraxe, in der sich unsere Tochter im gesamten Urlaub sehr wohl fühlen wird!

Erdpyramiden
Unser erster Ausflug ohne bergsteigerische Ambition führt uns zu den Erdpyramiden bei Steinegg. Das ist schwieriger als gedacht, denn der Busfahrer kennt die Namen der Haltestellen seiner Linie nicht und das Anzeigesystem ist ebenfalls ausgefallen. Dank Google Maps steigen wir dennoch an der richtigen Haltestelle aus und spazieren hinab zu den Erdpyramiden. Sie fallen weniger zahlreich und nicht ganz so grazil aus im Vergleich zu den deutlich bekannteren Erdpyramiden am gegenüberliegenden Ritten. Zum Ausgleich führt der kleine Steig aber direkt an dieser faszinierenden geologischen Sehenswürdigkeit vorbei. Gerade diese unmittelbare Nähe macht aus dem eher kurzen Spaziergang ein eindrückliches Erlebnis!

Von Deutschnofen nach St. Helena
Nach einigen Regentagen bessert sich das Wetter langsam wieder. Für eine Bergwanderung ist es noch zu früh, aber auf vergleichsweise guten Wegen spazieren wir vom Rande Deutschnofens über die sanften Hügel des Regglbergs. Die Sonne zeigt sich mit jeder Stunde häufiger und setzt Rosengarten und Dolomiten in Szene. Ganz besonders gefällt mir die Aussicht vom kleinen Kirchlein St. Helena, dem Ziel unseres Spaziergangs.

Vom Karersee nach Welschnofen
Von unserer Unterkunft auf dem Matzhof sind es zum berühmten Karersee nur wenige Minuten mit dem Bus. Wir stürzen uns dort ins Getümmel und machen natürlich auch das übliche Foto.

Danach beginnen wir aber unsere kleine Wanderung: wir spazieren über den einer Großstadt würdigen Großparkplatz und tauchen dann endlich in die ruhige Natur ein. Nach einem kleinem Abstieg folgen wir einer kleinen Straße hinauf zu einer Reihe von Bergbauernhöfen. Im Ladritscherhof kehren wir gegen Mittag ein und erreichen danach, auf den Tag genau 128 Jahre nach Kaiserin Sisi, einen Aussichtspunkt über Welschnofen. Zu unserer Ferienwohnung müssen wir von hier aus nur noch hinabsteigen. Ein gemütlicher Tag mit einer sehr entspannten Wegstrecke!

Bergwanderungen
Weißhorn
Gleich am ersten Urlaubstag ist die Wettervorhersage ganz prima. Wir suchen uns als einfache Tour das Weißhorn in den Nördlichen Fleimstaler Alpen aus. Von Welschnofen ist die Anfahrt mit dem Auto kurz und für italienische Verhältnisse sind wir vergleichsweise früh am Jochgrimm, der Weiß- und Schwarzhorn trennt. Nur mit etwas Glück bekommen wir noch einen Parkplatz, denn selbst die italienischen Urlaubsgäste haben sich nach dem Ferragosto-Wochenende überraschend früh auf den Weg gemacht. Deshalb ändern wir reichlich spontan unseren Plan und steigen nicht auf direktem, überlaufenem Steig zum Gipfel. Stattdessen umrunden das Weißhorn und nähern uns dem Gipfelkreuz nun von Norden. Als nur noch ein letzter Aufschwung uns vom höchsten Punkt trennt, müssen wir jedoch umkehren: mit Kind in der Kraxe wird das Gelände doch etwas zu heikel. Immerhin: als wir wieder auf der Südseite angekommen sind, sind wir im Aufstieg alleine unterwegs. Auch am Gipfel ist längst Ruhe eingekehrt und wir genießen die Aussicht!

Hirzelweg
Bis zur nächsten Bergwanderung dauert es noch einige Tage, aber dann wird das Wetter wieder beständiger und verspricht einen schönen Bergtag. Wir nutzen nicht nur die Gelegenheit, sondern investieren auch ein wenig Geld in die (ziemlich teure) Seilbahn von Welschnofen bis zur Kölner Hütte. Der Lohn sind gesparte Höhenmeter und strahlende Kinderaugen!

Aber nicht nur die bequeme Fahrt zum Ausgangspunkt gefällt uns, sondern auch der meist gut zu gehende Hirzelweg. Die Höhenunterschiede sind vergleichsweise gering, die Aussicht sehr gut. Allein zu den Gipfel des südlichen Rosengartenkamms über uns müssen wir etwas mühsam die Köpfe in den Nacken legen. Bequemer sind die Blicke über das Eggental und natürlich hinüber zum Latemar. Auf Höhe des Christomannos-Denkmals brechen wir allerdings ab und steigen zum Karerpass ab. Kleinere Schauer ziehen auf und mit unserer Tochter in der Kraxe müssen wir nicht unbedingt nass werden …

Latemar-Labyrinth
Als es schon langsam Zeit wird, wieder die Koffer zu packen, findet sich noch einmal ein halber Vormittag mit angekündigtem Sonnenschein. Wir fahren erneut mit dem Bus in Richtung Karerpass und nutzen die Gelegenheit, dem Latemar-Labyrinth einen Besuch abzustatten. Allerdings bleibt die Wolkendecke zunächst noch geschlossen, so dass ich mich zwischenzeitlich frage, ob sich diese Wanderung hinunter zum Karersee überhaupt lohnen wird. Aber wir haben großes Glück und erleben überaus stimmungsvolle Momente. Gerade die nur selten herauskommende Sonne und die vielen Wolken setzen den abwechslungsreichen Weg immer wieder geheimnisvoll in Szene.

Gelegentlich öffnet sich auch der Blick hinüber zum Rosengarten und lässt uns stauend verweilen. Ich bin mir sicher: bei bestem Wetter wäre diese kleine Bergwanderung nur halb so schön gewesen!

Überschreitung der Rotwand
Den mit Abstand schönsten Bergtag darf ich mit einer alpinen Tour verbringen. Ich verabschiede mich von meinen beiden Damen in aller Frühe und fahre mit dem Bus hinauf zum Karerpass. Im Rucksack ist die Klettersteigausrüstung, denn ich möchte die Rotwand überschreiten. Als ich den Bus verlasse, ist es noch ziemlich frisch. Das trifft sich gut, denn bis zum Einstieg in den Klettersteig sind es noch locker 700 Höhenmeter – und ich möchte mich natürlich nicht frühzeitig verausgaben!

Der Klettersteig ist etwas anstrengender zu begehen, als ich es mir vorgestellt habe. Insbesondere die Schlüsselstelle, die ich im Abstieg begehen muss, fühlt sich mehr nach Schwierigkeit C als B/C an. Als sich mein Puls nach der Passage mit viel Luft und wenig Tritten wieder beruhigt hat, kann ich den finalen Aufschwung zur Rotwand allerdings wieder genießen. Am Gipfel erwartet mich ein großartiges Panorama, das ich lange genieße. Es fühlt sich einfach großartig an, zurück in den Dolomiten zu sein.

Der Abstieg zum Valojonpass wäre eigentlich schnell zu bewerkstelligen, aber in dem (sehr einfachen) Klettersteig kommen mir mehrere Bergschulgruppen entgegen. Da heißt es dann, geduldig zu warten. Immerhin erreiche ich am Karerpass noch einen frühen Bus und kann meine Familie schon am Nachmittag wieder in die müden Arme schließen.
Fazit
Die zwei Wochen auf dem Matzhof sind wie im Flug vergangen. Neben den vielen Ausflügen und leichten Wanderungen rund um das Eggental hatten wir mit unserer Unterkunft darüber hinaus viel Glück: auf dem Hof gibt’s einige Tiere, die unsere Tochter jeden Tag genauso gewissenhaft besucht hat wie den kinderfreundlichen Garten mit Trampolin, Sandkasten und Rutsche.
Aus bergsteigerischer Perspektive hat mir natürlich die Überschreitung der Rotwand besonders gut gefallen. Noch wichtiger war allerdings, dass auch unsere Tochter Spaß an den Spaziergängen, Wanderungen und ganz besonders an den Pausen mit Kaminwurzen gehabt hat!
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