Berg-Ge(he)n

Höllkopf

Die Westliche Griesspitze erhebt sich gewaltig steil über dem Inntal

Die Südseite der Mieminger Kette stellt für mich bisher eine weitgehende terra ignota dar. Zwar habe ich schon einmal von der Hohen Munde einen Blick auf die Südseite werfen können, weitere Touren auf der Südflanke habe ich allerdings noch nicht unternehmen können. Das hat viel damit zu tun, dass die Anstiege aus dem Inntal zu den Gipfeln überaus lang und zumeist nicht ganz einfach sind. Auch sind die Ausgangspunkte dieser Touren aus dem Raum München nur vergleichsweise aufwendig zu erreichen sind. Neben der schon erwähnten Hohen Munde bieten sich als günstige Alternative dabei vor allem die Gipfel rund um das im Westen der Gruppe gelegene Marienbergjoch an. Und genau dorthin führt mich meine heutige Tour!

Über Skipisten und unter Stromleitungen ins Marienbergjoch

Das Marienbergjoch hat aber einen gewaltigen Nachteil: es gibt dort viel Infrastruktur. Zwar führt keine öffentliche Straße hinauf (dafür dient bekanntlich der benachbarte und vielbefahrene Fernpass), ein Skigebiet samt Liftanlagen und Starkstromleitungen prägen aber das Landschaftsbild. Das wusste ich zwar schon vorher, steige aber mit gemischten Gefühlen morgens in Biberwier aus dem Bus, der mich vom Ehrwalder Bahnhof in wenigen Minuten an meinen heutigen Ausgangspunkt gebracht hat. Ich beginne meine Tour an der Talstation des Sessellifts und steige immer wieder die breite Skipiste querend langsam aufwärts. Zwar kann ich hin und wieder auch abkürzende Steige verwenden, optisch bleiben die ersten etwa 800 Höhenmeter allerdings kein Hochgenuss …

Skipisten und Stromtrassen begleiten mich ins Marienbergjoch
Skipisten und Stromtrassen begleiten mich ins Marienbergjoch

Immerhin wird, je höher ich steige, die Aussicht immer besser. Gerade der Blick zu den in unmittelbarer Nähe befindlichen Handschuhspitzen und weiter zum Wannig ist eine für die Augen erholsame Ablenkung.

Der Wannig steht auch schon lange auf meiner Tourenwunschliste ...
Der Wannig steht auch schon lange auf meiner Tourenwunschliste …

Dennoch geht es entlang der Skipiste weiter in Richtung Marienbergjoch. Eine kleine Kapelle säumt meinen Weg, mehr oder weniger direkt an einer steil abfallenden Felsflanke. Das mag aber nicht darüber hinweg täuschen, dass weiterhin die wenig ansehnliche Infrastruktur vorherrscht, denn unmittelbar über mir verläuft weiterhin die Starkstromleitung. Aber dann erreiche ich endlich das Joch – das wurde auch Zeit!

Als landschaftliches Juwel geht das Marienbergjoch nicht durch
Als landschaftliches Juwel geht das Marienbergjoch nicht durch

Wolken am Höllkopf

Ich bin froh über den einsamen Steig zu Füßen der Marienbergspitzen. Hier gibt es keine breiten Schneisen mehr, keine Lifte oder Stromleitungen mehr. Dafür gibt’s ganz viel unberührte Natur!

Weißer Silberwurz findet oberhalb des Marienbergjochs mehr als zahlreich
Weißer Silberwurz findet oberhalb des Marienbergjochs mehr als zahlreich

Leider ziehen immer mehr Wolken auf, je näher ich dem Sattel zwischen Grünstein und Höllkopf komme. Keine hundert Höhenmeter später stehe ich auf meinem Gipfelziel der heutigen Tour. Die Sonne ist weitgehend verschwunden, es ist kalt und etwas windig. Und zu allem Überfluss haben die Schafe den ganzen weitläufigen Gipfel – nun ja, wie soll’s man sagen – mit ihren Hinterlassenschaften verziert. Es ist gar nicht so einfach, einen angenehmen Sitzplatz zu finden …

Heute sind mehr Schafe am Höllkopf als menschliche Besucher
Heute sind mehr Schafe am Höllkopf als menschliche Besucher

Kurzweiliger Abstecher zum Hohen Kopf

Die nicht ganz optimalen Pausenbedingungen bringen mich dazu, einen Abstecher zu den Vorgipfeln im Süden ins Visier zu nehmen. Ich kann eine schwache Wegspur zum Zäunlkopf ausmachen, die über eine schmalen Verbindungsgrat zwischen beidseitigen Erosionsrinnen führt. Das wäre doch eine interessante Pausenvariante!

Zäunlkopf und Hoher Kopf sind dem Höllkopf vorgelagert - und rasch erreichbar
Zäunlkopf und Hoher Kopf sind dem Höllkopf vorgelagert – und rasch erreichbar

Der Abstieg zum Grat ist schnell absolviert und der Übergang doch etwas breiter, als er auf mich von oben den Eindruck machte. Auf der anderen Seite erklimme ich den Zäunlkopf angenehm rasch. Und nachdem dort Steigspuren nach Süden, zum Hohen Kopf führen, gehe ich einfach direkt weiter.

Vor dem wuchtigen Grünstein wirkt der Höllkopf unscheinbar
Vor dem wuchtigen Grünstein wirkt der Höllkopf unscheinbar

Das Gelände wird hier etwas anspruchsvoller, aber nie schwierig. Vielleicht erwische ich auch immer mit dem nötigen Quentchen Glück eine gute Fortsetzung im Schrofengelände? Mir soll’s jedenfalls recht sein und so komme ich letztlich ohne größere Herausforderung auf dem der Mieminger Kette vorgelagerten Gipfel an. Der Ausblick ins Tal ist ganz prima, es bleibt allerdings etwas diesig. Dennoch hat sich der Abstecher für diese ungewohnte Perspektive gelohnt!

Vom Hohen Kopf geht der Blick über das Gurgltal bis nach Imst
Vom Hohen Kopf geht der Blick über das Gurgltal bis nach Imst

Doch noch ein wenig Sonne auf dem Höllkopf

Die Rückkehr vom Hohen Kopf zum Zäunlkopf verläuft etwas unplanmäßig. Ich verpasse offenbar meine gute Wegwahl des Hinwegs und muss in einer unangenehm steilen, von Erosion betroffenen Grasflanke etwas improvisieren. Mein Gedächtnis ist wohl auch nicht mehr das, was es früher einmal war. Immerhin zeigt sich, je näher ich dem Höllkopf wieder komme, immer mehr die Sonne. Am dortigen Gipfel wieder angekommen wären jetzt die Bedingungen für eine längere Pause recht passend. Die Schafe sind genauso weitergezogen wie die wenigen Wanderer, die eine Stunde zuvor noch ihre Gipfelpause gemacht haben. Aber auch für mich wird’s so langsam Zeit, die Rückkehr ins Tal zu beginnen. Für diesen Abstieg habe ich mir eine alternative Route ausgesucht: anstatt wie im Aufstieg der zeitgemäßen Infrastruktur zu folgen, steht ein Abstecher zur Silberleithe und dem dortigen früheren Erzbergbau auf dem Programm!

Den Höllkopf ziert ein schlichtes Gipfelkreuz
Den Höllkopf ziert ein schlichtes Gipfelkreuz

Abstieg über den Schachtkopf

Etwas unterhalb des Marienbergjochs biege ich dafür auf einen kleinen, fast vergessenen Steig ab. Dieser ist steil, hin und wieder ein wenig überwachsen, jedoch im Großen und Ganzen halbwegs in Schuss. Hundert Höhenmeter tiefer erreiche ich den querenden Montanwanderweg. Nun wieder gut gebahnt quere ich die Flanke des Wamperter Schrofens, der im meist dichten Wald aber meist unsichtbar bleibt. Ein richtiger Blick nach oben ist erst bei der Querung eines an und für sich kleinen Bachs möglich. Allerdings konzentriere ich mich da lieber auf den weiteren Weg, denn vor nicht allzu langer Zeit ist hier offenbar eine Mure abgegangen, die große Materialmengen mitgenommen haben muss. Vom Steig ist nicht mehr viel zu sehen, ein paar unentspannte Meter in steilem, rutschigem Gelände sind auch gar nicht so ohne.

Es wird wohl einige Jahre dauern, bis nach dem Murenabgang wieder etwas wächst
Es wird wohl einige Jahre dauern, bis nach dem Murenabgang wieder etwas wächst

Auf der anderen Seite setzt bald der bequeme Steig fort. Ohne größere Schwierigkeiten folge ich den Informationstafeln und lerne einiges über die Geschichte des Erzbergbaus an dieser Bergflanke. Besonders viel zu sehen gibt es aber nicht, die Überreste sind übersichtlich bzw. liegen die alten Stolleneingänge zumeist abseits des Wegs. Da kommt der Schachtkopf als nennenswerte Erhebung ganz recht, schließlich bin ich für jeden Gipfel zu haben! Dieser wird durch einen kleinen Fels gebildet, der trotz seiner geringen Höhe über dem Gelände eine wunderbare Aussicht über das Ehrwalder Becken zu Daniel und Upsspitze bietet.

Die kurze Kraxelei auf den Schachtkopf lohnt sich für diesen Ausblick
Die kurze Kraxelei auf den Schachtkopf lohnt sich für diesen Ausblick

Es finden sich doch noch ein paar Bergbauspuren

Nach dem kurzen Abstecher steige ich weiter ab und lege an einem ehemaligen Stolleneingang noch einmal eine längere Pause ein. Hier ist deutlich zu erkennen, dass das Gelände durch Menschen gestaltet worden ist: inmitten des sonst steilen Hangs befindet sich eine sehr ebene Fläche. Schuttreißen gehen von hier aus, auf denen ausgebrochenes, taubes Gestein unkompliziert direkt an Ort und Stelle entsorgt worden ist. Die hier und an weiteren Stollen in der näheren Umgebung entstandenen Halden hat sicherlich der eine oder andere Autofahrer im Stau auf der Fernpassbundesstraße schon einmal bewundert …

Bergbauspuren am Ulrichsstollen
Bergbauspuren am Ulrichsstollen

Etwas weiter tiefer stoße ich auf weitere Überreste des Bergbaus, von denen der Bremsberg besonders markant ist. Schnurgerade zieht sich die Trasse steil abwärts, auf denen das erzhaltige Gestein ins Tal transportiert worden ist. Parallel dazu gibt es glücklicherweise einen Steig, auf denen der Abstieg etwas bequemer ist. Schließlich erreiche ich einen mir bekannten Forstweg, der mich nach Ehrwald und dem dortigen Bahnhof bringen wird. Der Name Panoramaweg passt allerdings leider seit vielen Jahren nicht mehr, die Aussicht ist längst zugewachsen. Schön zu gehen ist der Weg aber dennoch, kurz vor Ehrwald findet sich mit einem lichten Lärchenwald ein besonders schöner Abschnitt.

Im Herbst ist es im Lärchenwald vor Ehrwald noch schöner ...
Im Herbst ist es im Lärchenwald vor Ehrwald noch schöner …

Fazit

Die Tour auf den Höllkopf auf der Südseite der Mieminger Kette war höchst abwechslungsreich. Ab dem Marienbergjoch war das Gelände interessant und die Ausblicke vom Höllkopf und den vorgelagerten Gipfeln haben für den ersten Teil des Anstiegs mehr als entschädigt. Vom Abstieg über den Montanwanderweg habe ich mir etwas mehr versprochen, dennoch war der Steig weitgehend gut angelegt und die Aussichten über das Ehrwalder Becken den kleinen Umweg wert. Insgesamt ist die Runde für die, die nicht nur die klassischen Bergziele ansteuern wollen, durchaus empfehlenswert!

Tourendatum: 19. Juni 2025

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