Berg-Ge(he)n

Rotwand im Winter

Auf den letzten Metern zum Gipfel der Rotwand

Bisher habe ich nur in schneearmen Wintern einige wenige leichte Touren unternommen. Es wird also langsam Zeit, das zu ändern! Ich nehme mir mit der Rotwand einen wenig anspruchsvollen Klassiker in den Münchner Hausbergen vor – und werde nicht enttäuscht werden.

Endlich eine Bergtour an einem teilzeitfreien Mittwoch!

Vor einigen Monaten habe ich meinen Teilzeitvertrag unterschrieben. Jeden zweiten Mittwoch habe ich nun frei – mit der Idee, mehr Zeit für Bergtouren und andere Freizeitaktivitäten zu haben. Die praktische Umsetzung hat bisher nicht geklappt, aber endlich ist die Wettervorhersage für meinen freien Mittwoch vom allerbesten. Wohin soll ich nun gehen? Schneeschuhe habe ich (noch) nicht, deshalb sollte es ein Gipfel werden, der über weitgehend einfache Wege zu erreichen ist. Nach einigem Nachdenken erinnere ich mich daran, dass das Rotwandhaus auch in den Wintermonaten geöffnet hat. Das wäre also schon mal erreichbar – und die benachbarte Rotwand ist zudem auch ein schönes Tourenziel. Dort war ich schon seit Jahren nicht mehr, denn dort geht’s oft zu wie am Stachus. Aber sicherlich nicht an einem Werktag!

Gemütlicher Anstieg zum Rotwandhaus

Der morgendliche Zug an den Schliersee ist erwartungsgemäß leer, der erste Bus zum Spitzingsee auch. Kein Wunder, denn ich bin extra früh aufgestanden, um genügend Zeitreserven zu haben. So richtig einschätzen kann ich nämlich nicht, wie viel zusätzliche Zeit ich für eine Winterbesteigung einplanen sollte. Am Spitzingsee angekommen ist es sehr kalt, die Sonne hat es noch nicht über die Gipfel geschafft. Ein kurzes Foto ist trotzdem drin – und dann geht’s los!

Die Temperaturunterschiede zwischen Spitzingsee und Brecherspitzgipfel lassen sich erahnen
Die Temperaturunterschiede zwischen Spitzingsee und Brecherspitzgipfel lassen sich erahnen

Der Fahrweg zum Rotwandhaus ist zu Beginn noch schneefrei und asphaltiert, aber bald darf ich auf einen Forstweg abbiegen. Hier sollte eigentlich die Pistenraupe immer wieder einmal unterwegs sein und für die Spaziergänger den Weg präparieren. So viel zur Theorie. In der Praxis liegt die letzte Fahrt jedoch offensichtlich schon länger zurück, so dass ich durch den Schnee stapfe. Zunächst fällt mir das noch sehr leicht, denn besonders hoch liegt dieser nicht. Die Sonne kommt auch bald raus – es wird definitiv ein wunderbarer Bergtag werden!

Mein persönlicher Sonnenaufgang an diesem wunderbaren Bergtag
Mein persönlicher Sonnenaufgang an diesem wunderbaren Bergtag

Je höher ich steige, desto tiefer wird der Schnee. Die Landschaft wird immer schöner, neben dem Weg liegt oft unberührter Schnee. Ich komme aus dem Fotografieren kaum raus, bin aber wundersamerweise immer noch gut in der Zeit.

Tja, kein passender Schlüssel dabei. Schade.
Tja, kein passender Schlüssel dabei. Schade.

Auf der langgestreckten Kurve vor dem Rotwandhaus ist der Weg erstmals vereist. Ich lasse die Grödel aber im Rucksack, denn ich kann die kurze Stelle auf dem verschneiten Hang problemlos umgehen. Vor dem eigentlichen Gipfelanstieg nehme ich dann aber doch die Stöcke zur Hand, denn es wird dort steil werden!

Die Nebengipfel sind auch heute ordentlich aufgereiht. Sehr schön!
Die Nebengipfel sind auch heute ordentlich aufgereiht. Sehr schön!

Spikes für den Gipfelanstieg

Die ersten Meter gehen noch gut dahin, aber dann steilt das Gelände spürbar auf. Zudem ist die Spur im hartgefrorenen Schnee schlecht angelegt – und ohne Grödel komme ich nur schlecht weiter. Ein Versuch ist drin, aber dann steige ich freiwillig noch einmal ein paar Meter ab, um mir die Steighilfen entspannt anlegen zu können. Beim nächsten Anlauf komme ich das steile Stück dann doch gleich viel besser hoch! An einem Skidepot vorbei folge ich den Spuren steil hinauf zum Gipfel. Die seilversicherte Kraxelei auf den letzten fünf Metern hinauf zum Gipfelkreuz ist dann nicht einmal mehr Formsache. Am Gipfel weht nur ein leichter Wind, in der Sonne ist es gut auszuhalten. Ich nehme mir also viel Zeit für eine ausführliche Pause – und genieße das wunderbare, winterliche Panorama!

Bei dem Panorama bleiben die Wünsche offen, oder?
Bei dem Panorama bleiben keine Wünsche offen, oder?

Als einer der höchsten Gipfel des Mangfallgebirges bietet die Rotwand natürlich eine prächtige Rundumsicht: wenige Meter weiter der fast gleich hohe Miesing, die zahlreichen Gipfel der Münchner Hausberge im Mangfallgebirge, am Horizont das verschneite Karwendel und noch weiter weg der im Gegenlicht kaum zu fotografierende Alpenhauptkamm. Obwohl kalte Böen immer häufiger werden, kann ich mich kaum losreißen: es ist einfach viel zu schön.

Blick über die Ruchenköpfe zum Kaisergebirge
Blick über die Ruchenköpfe zum Kaisergebirge

Die Pistenraupe präpariert den Abstiegsweg

Als immer mehr Rentner den Gipfel auch ohne Grödel erreichen, packe ich schließlich wieder zusammen. Der Schnee im Steilhang scheint jetzt deutlich weicher zu sein, aber ich lasse die Grödel erst mal an den Füßen. Der Abstieg im nun perfekten Schnee macht im steilen Hang so richtig Freude! Viel zu schnell bin ich wieder am Rotwandhaus und beginne den eigentlichen Rückweg zum Spitzingsee. Von oben habe ich bereits die Pistenraupe fahren sehen – und finde einen perfekten präparierten Wegverlauf vor. Die vormals eisigen Passagen sind jetzt natürlich kein Problem mehr und der Weg selbst ist da schon fast langweilig. Wie gut, dass ich somit die Landschaft umso mehr genießen kann!

Winterliche Schattenwürfe
Winterliche Schattenwürfe

Viel zu früh erreiche ich den Spitzingsee – und komme natürlich in die mittagliche Taktlücke der Busse. Aber an einem so schönen Tag wie heute macht das natürlich gar nichts. Ich finde eine freie Bank am Ufer des Sees und genieße die Wintersonne – Training für meinen Ruhestand! Mehr als zufrieden mit dem wunderschönen Tag genieße ich die ruhige und einsame Rückfahrt. So eine Tour während der regulären Arbeitswoche hat ihren ganz eigenen Reiz, trotz der zahlreichen älteren Mitbürger. Wer soll’s ihnen aber auch verdenken, ich würde einen solchen Tag ja auch als Rentner nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Stimmungsvoller Nachmittag am Spitzingsee
Stimmungsvoller Nachmittag am Spitzingsee

Fazit

Meine erste richtige Wintertour war gleich großartig – sie wird sicherlich nicht die letzte bleiben! Gerade die Rotwand war für diesen Erstversuch sehr gut geeignet: eine glasklare Empfehlung!

Tourendatum: 19. Januar 2022

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