Berg-Ge(he)n

Hexenstein

Gleich der erste Urlaubstag im Gadertal bringt eine schlechte Wettervorhersage mit – aber erst ab Mittag. Genau für solche Tage habe ich mir im Vorfeld ein paar Gedanken gemacht und habe ausreichend Ideen im Gepäck: der Hexenstein ist nur einen Katzensprung vom Valparolapass entfernt und somit genau der richtige Gipfel für eine kurze Tour!

Der Name der Ferienwohnung passt zum Tourenziel

Die Ferienwohnungen auf dem Hof Les Pizades sind nach umliegenden Gipfeln benannt. Nicht alle Gäste bemerken das, denn Sabine und Otto haben sich für die ladinischen Namen entschieden. Ich bewohne Sas de Stria, zu deutsch Hexenstein. Da trifft es sich gut, dass heute das Wetter nach einer kurze Tour verlangt.

Kurze Anfahrt

Von der Ferienwohnung ist der Valparolapass mit dem Auto oder dem Bus nur wenige Fahrminuten entfernt. Noch vor der Passhöhe verlasse ich Südtirol – der Ausgangspunkt liegt bereits in der Provinz Belluno. Nach dem Rifugio Valparola, das mir noch von einer Einkehr im Jahr 2015 vertraut vorkommt, steigt die Straße noch einmal wenige Meter an und erreicht ihren Scheitelpunkt am Fort Tre Sassi. Die Parkplätze füllen sich gerade, die ersten Wanderer machen sich gerade auf den Weg zu ihren Tourenzielen.

Der Einstieg in die Tour beginnt gleich hinter dem Parkplatz. Einen Steig gibt es nicht, eher drei bis vier, die sich im abschnittsweise unübersichtlichen Gelände immer wieder trennen und vereinen. Bald erreiche ich den deutlich flacheren Bergrücken, auf dem die Orientierung in der Folge leicht fällt. In den Wiesen zeigen sich jetzt aber die ersten Laufgräben und Stellungen an den Bergflanken.

Stellenweise verläuft der Steig durch die Laufgräben

Unübersehbare Reste des Gebirgskriegs

Im weiteren Aufstieg folgt der Steig bald ausschließlich den Laufgräben. Ich finde es ungewohnt, oft ohne Aussicht weiter aufzusteigen. Der eine oder Abstecher zu alten Stellungen ist dabei möglich, vor allem auf der in Gehrichtung rechten Seite finden sich zahlreiche ausgebaute Positionen, die offensichtlich die Flanke des Col di Lana zum Siefsattel decken sollten. In geschützten Lagen sind Hohlräume in den Fels geschlagen, Holzreste lassen auf Unterkünfte schließen. Nach einigen mit Leitern versicherten Passagen erreiche ich schließlich den Gipfel. Die strategische Lage des Hexensteins wird hier selbst für militärische Laien offensichtlich, aber mehr als hundert Jahre nach Kriegsende freue ich mich aber doch vor allem über die schöne Aussicht zu den umliegenden, immer wieder von vorbeiziehenden Wolken umspielten Dolomitengipfeln.

Die Conturinesspitze ist der höchste Gipfel der Fanesgruppe

Abstecher zur Goiginger-Stellung

Zurück am Fort Tre Sassi sind zwar noch mehr Wolken aufgezogen, die aber noch nicht nach Regen aussehen. Ich beschließe, den Hexenstein an seinem Fuß zu umrunden und bin dabei besonders auf den Tunnel zur Goiginger-Stellung gespannt. Zunächst gilt es aber, den Zugang zu finden. Im ersten Versuch laufe ich wenige Meter entfernt am Stollenloch vorbei, nach ausgiebigem Karten- und Geländestudium finde ich im zweiten Anlauf den etwas versteckten Tunneleingang aber problemlos. Zwar sind immer wieder Tunnelfenster vorhanden, eine Begehung des Tunnels ist aber nur mit Stirnlampe sinnvoll. Schaue ich zu Beginn noch in jede Kaverne rein, lässt meine Neugierde im Laufe der Tunnelstrecke dann jedoch etwas nach. Dennoch macht die Begehung Spaß!

Ausstieg aus dem Tunnel an der Goiginger-Stellung

Als ich an der Goiginger-Stellung, die direkt unterhalb des Gipfels am Fuß des Hexensteins liegt und den Falzaregopass dominiert, wieder ans Tageslicht komme, dominieren mittlerweile dunkle Wolken den Himmel. Nach einer kurzen Pause beginne ich den Rückweg über die Südflanke des Hexensteins Der Steig sieht zwar abschnittsweise herausfordernd aus, aber der Schutt hält überall. Ich passiere den Einsteig zum erst 2018 eröffneten Klettersteig Sottotenente Fusetti, der zahlreiche sehr gute Bewertungen erhalten hat und auf mich sehr lohnend wirkt. In der Folge wird der Steig immer einfacher und rasch erreiche ich wieder den Ausgangspunkt am Fort Tre Sassi. Gerade rechtzeitig, denn sobald ich im Auto sitze, fallen die ersten Regentropfen …

Fazit

Die Tour auf und um den Hexenstein hat mir sehr gut gefallen. Zwar ist sowohl der Aufstieg zum Gipfel als auch die Umrundung jeweils rasch erledigt, beide Varianten lohnen aber dennoch: es gibt viel zu entdecken und die Steige und Wege sind angenehm abwechslungsreich!

Tourendatum: 23. August 2020

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