Der Sommer ist bereits halb vorbei, als wir mit unserer einjährigen Tochter endlich eine Familienbergtour unternehmen können. Wobei Bergtour etwas hoch gegriffen ist. Denn die drei Hörnle gehen bekanntlich bei den meisten Münchner Gipfelaspiranten noch als gemütliche Hügel durch. Allerdings kommen bei der Überschreitung der drei Gipfel trotzdem einige Höhenmeter zusammen, die wir erste richtige Tour mit Kraxe unter die Füße nehmen!
Inhalt
Steiler Aufstieg zur Hütte
Ausnahmsweise mit dem Auto gelangen wir an den Ausgangspunkt am Rande von Bad Kohlgrub. Das hat in dem Fall den Vorteil, dass unser Nachwuchs sich auf der Fahrt ordentlich ausschlafen kann und für den restlichen Tag (einigermaßen) fit sein wird. Schließlich warten ja ein paar Gipfel! Der Plan geht auf und wir machen die Kraxe auf dem Parkplatz schnell fertig. Das Einlaufen fällt an dem Tag aus, denn schon kurz nach dem Start geht’s bald zügig aufwärts. Wir wählen nämlich nicht den einigermaßen gleichmäßigen Fahrweg, sondern biegen auf den direkten Steig zur Hörnlehütte ab. Dieser ist an und für sich gut angelegt, mit Kind auf dem Rücken fühlen sich die wenigen hundert Höhenmeter jedoch fordernder als üblich an.

Wir bleiben im Anstieg zumeist in Hörweite der Hörnleschwebebahn, bis dann endlich sich der Berg zurücklehnt und wir die Hütte erreichen. Dort ist schon sehr viel los, aber wir finden noch einen Platz im Schatten. Das Bergsteigeressen kommt da genau recht. Allerdings schnappt sich das meiste davon der prächtig aufgelegte Nachwuchs, der bisher noch keinen einzigen Meter gelaufen ist!

Drei Mal auf den Zeitberg
Nachdem der größte Hunger gestillt ist, erkundet unsere Tochter die nähere Umgebung. Auf der Hüttenterrasse ist bald alles entdeckt, so dass auch das umliegende Gelände interessant zu werden scheint. Zielsicher entdeckt sie den kurzen Anstieg zum (übersichtlichen) Zeitberg, der sich wenige Meter neben der Hütte erhebt. Noch reichlich wacklig und an meiner Hand erklimmt sie sehr motiviert ihre ersten Höhenmeter. Oben angekommen könnte ihr Stolz kaum größer sein – und im Überschwang der Gefühle geht’s auf der anderen Seite direkt zur Hütte zurück. Ihre Begeisterung kennt keine Grenzen, so dass wir die Runde gleich noch zwei weitere Male drehen müssen …

Von Hörnle zu Hörnle
Weiter reichen die Kräfte aber nicht, so dass sich der Nachwuchs ganz von alleine zum Schlafen in die Kraxe begibt. Das trifft sich gut, schließlich wollen wir Eltern ja noch auf die drei Hörnle-Gipfel steigen. Das Vordere Hörnle ist ja auch nur einen kurzen Anstieg von der Hütte entfernt, so dass wir den ersten Gipfel schnell abhaken können. Leider ist die Sicht bei der sommerlichen Hitze eher übersichtlich, dennoch sind insbesondere die nahen Gipfel der Ammergauer Alpen rund um den Teufelstättkopf gut auszumachen. Die Fernsicht lohnt an diesem Tag aber nicht, so dass wir uns rasch wieder auf den Weg machen. Das nächste Hörnle wartet!

Das Mittlere Hörnle ist von allen drei benachbarten Gipfeln auch an diesem Tag das am wenigsten besuchte. Sind es die steilen An- und Abstiege oder doch die im Vergleich geringe Aussicht? Wie auch immer, wir überschreiten selbstverständlich auch den zweiten Gipfel und machen uns auf den Weg zum Hinteren Hörnle. Dafür wählen wir den weit ausholenden Weg, der uns mit schönen Aussichten auf das Blaue Land auf die Rückseite unseres letzten heutigen Gipfeln führt.

Beim finalen Gipfelaufschwung sind wir nicht alleine unterwegs: reichlich unvermittelt galoppieren zwei Pferde an uns vorbei, die im schattigen Wald etwas Kühle suchen. Trotz der kleinen Schrecksekunde gelingt mir noch ein Foto.

Wenige Minuten später stehen wir dann auf dem Hinteren Hörnle. Viel Zeit für eine Pause nehmen wir uns nicht, denn in der Sonne ist es sehr warm. Wie gut, dass zwischen Hinterem und Mittlerem Hörnle ein ziemlich schattiger Fahrweg direkt zum Parkplatz führt.

Fazit
Wurde heute der Grundstein für eine Bergsteigerinnenkarriere gelegt? Wir bergbegeisterten Eltern hoffen es jedenfalls! Ganz unabhängig von dem elterlichen Stolz konnten wir als Familie einen schönen Bergtag genießen. Mit der Kraxe hat alles geklappt und unsere Tochter war mit dem Tragekomfort trotz der Hitze offenbar ebenfalls sehr zufrieden und glücklich. Der Bergurlaub in Südtirol in drei Wochen kann also guten Gewissens kommen!
Tourendatum: 20. Juli 2025
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