Berg-Ge(he)n

Elfer- und Zwölferköpfl

Auf den letzten Metern zum Zwölferköpfl

Die wichtigsten Gipfel des Estergebirges habe ich schon vor vielen Jahren bestiegen – und dann das Estergebirge oft links liegen gelassen. Dabei gibt es dort noch viele weitere, oft eher unbekannte Ziele, die es zu erkunden lohnt. An einem schönen Sommertag mache ich mich deshalb auf, dem Zwölferköpfl und dem benachbarten Elferköpfl erstmals einen Besuch abzustatten. Während das Zwölferköpfl eine gut erkennbare Erhebung im langgezogenen Mineckergrat darstellt und über weitgehend gute Steige erreichbar ist, fällt das Elferköpfl definitiv in die Kategorie Geheimtipp. Dieser kleine Fels ragt kaum über die umliegenden Bäume auf und wird im lanschaftlich reizvollen Pustertal nur den wenigsten Besuchern ins Auge fallen.

Aufstieg über den Hahnbichlsteig

Nach der morgendlichen Anfahrt nach Eschenlohe beginne ich die Tour mit dem mir wohlvertrauten Weg durch den beschaulichen Ort. Wie (fast) immer, ist so früh am Morgen nichts los, vermutlich sitzen die Einwohner noch beim Frühstück.

Mit genügend Zoom ist das Zwölferköpfl bereits von Eschenlohe auszumachen
Mit genügend Zoom ist das Zwölferköpfl bereits von Eschenlohe auszumachen

Die Szenerie belebt sich erst auf dem Parkplatz am Bergfuß, an dem schon einige Bergwanderer, meist mit Münchner Kennzeichen, ihre Sachen aus dem Kofferraum holen. Dennoch bleibt mein Anstiegsweg ruhig, denn ich biege schnell vom breiten Hauptweg ab. Über einige kleinere Rückewege erreiche ich schließlich den Einstieg in den Hahnbichlsteig.

Ein gemütlicheres Teilstück des meist steileren Hahnbichlsteigs
Ein gemütlicheres Teilstück des meist steileren Hahnbichlsteigs

Dieser Steig ist trotz seiner Steilheit eine beliebte Abkürzung in Richtung Pustertal. Die alternative Forststraße ist zwar viel bequemer, fühlt sich allerdings eine Handvoll Kilometer länger an. Ich zweige aber schon vor dem Pustertal vom Hahnbichlsteig ab, weiter geht es auf unbeschilderten Wegen. Nicht weit von einer Jagdhütte endet das unübersichtliche, teilweise verwirrende Netz aus Fahr- und Karrenwegen. Bevor ich nun den alten Steigen folge, nutze ich die Gelegenheit für eine kurze Verschnaufpause auf der Terrasse der Hütte. Ein Schild weist sie übrigens als Mesmerhütte aus.

Fließend Wasser und ein Sonnenschirm - kleine Pause gefällig?
Fließend Wasser und ein Sonnenschirm – kleine Pause gefällig?

Doch keine Einsamkeit auf dem Weg zum Zwölferköpfl

Kaum breche ich von der Jagdhütte auf, so begegnen mir in der Folge kontinuierlich Menschen. Das hätte ich in dieser vermeintlich verlassenen Gegend nicht gedacht! Immerhin sorgt die offenbar rege Begehung für gute Steige, Orientierungsaufgaben stellen sich mir in der Folge nicht. Und so erreiche ich nach einem unangenehm steilen Aufstieg den quer verlaufenden Verbindungssteig von den Pustertalern Jagdhäusern zur längst verfallenen Mineckhütte. Von der dortigen Wiese kann ich zum ersten Mal aus der Nähe mein Gipfelziel genauer in Augenschein nehmen: der verbleibende Anstieg dürfte kaum mehr als 200 Höhenmeter betragen. Ein motivierender Ausblick!

Das Zwölferköpfl ist bereits in Reichweite
Das Zwölferköpfl ist bereits in Reichweite

Der verbleibende Anstieg fällt dementsprechend auch recht kurzweilig aus. Der Mineckergrat leitet mich vergleichsweise schnörkellos nach oben. Dabei ist nur eine schuttreiche Stufe zwischen Felsen zu erklimmen, die im Aufstieg aber kaum Schwierigkeiten mit sich bringt. Nach dem Ausstieg geht es für einige Meter etwas ausgesetzt weiter, bis das Gelände wieder deutlich einfacher wird. In einem ausholenden Bogen führt der Steig dann von hinten zum höchsten Punkt des Zwölferköpfls. Ich habe Glück und kann mir am einsamen Gipfel den besten Pausenplatz mit Blick zur Hohen Kisten selbst aussuchen.

Vom Zwölferkopf geht der Blick über den Grat zur Hohen Kisten
Vom Zwölferkopf geht der Blick über den Grat zur Hohen Kisten

Das Zwölferköpfl ist an und für sich ein guter Aussichtsgipfel. Leider ist am heutigen Tag der sommerliche Dunst ein Spielverderber. Selbst der Blick am Simetsberg vorbei zum nahen Walchensee oder zur Schöttelkarspitze im Vorkarwendel fällt eher übersichtlich aus.

Die Soierngruppe ist kaum zu erkennen
Die Soierngruppe ist kaum zu erkennen

Zum Ausgleich ist der Tiefblick zum morgendlichen Ausgangspunkt Eschenlohe erwartungsgemäß tadellos und die Mühen des Aufstiegs eindeutig wert.

Ungefähr 1.000 Höhenmeter tiefer liegt der Ausgangspunkt Eschenlohe
Ungefähr 1.000 Höhenmeter tiefer liegt der Ausgangspunkt Eschenlohe

Abstecher zum Elferköpfl

Für den Abstieg wähle ich zunächst die bekannten Weg zurück zur ehemaligen Mineckhütte. Der Abstieg durch die Stufe ist etwas fordernder als der Aufstieg, liegen doch auf vielen guten Tritten kleine, von oben kaum zu entdeckende Steinsplitter. Mit etwas Vorsicht ist dies aber auch kein größeres Hindernis und wohlbehalten verlasse ich wenig später den Mineckergrat.

Durch diese Felstürme leitet die Rinne über die Felsstufe hinunter
Durch diese Felstürme leitet die Rinne über die Felsstufe hinunter

Der schon erwähnte Verbindungssteig von der verfallenen Mineckhütte zu den Pustertaler Jagdhäusern bringt mich nun in wenigen Minuten zum Elferköpfl, meinem zweiten Ziel der heutigen Tour. Dabei ist das Elferköpfl so unauffällig, dass ich erst einmal daran vorbeigehe. Erst als der Steig eindeutig nach Süden schwenkt, bemerke ich mein Versehen. Glücklicherweise muss ich nur wenige Meter zurückgehen, bis ich im steilen Gras ein paar abzweigende Spuren entdecke. Steil geht’s dort eine kleine Wiese hinab, unter Latschen hindurch zu einem schmalen Übergang.

Schmaler Übergang zum Elferköpfl
Schmaler Übergang zum Elferköpfl

Während das Gelände zur rechten Seite fast senkrecht in die Tief abfällt, ist die Wiese auf der linken Seite nur ziemlich steil. Ich bin froh, dass nur wenige Meter weiter bereits das sehr kleine Plateau des Elferköpfls auf mich wartet. Besondere Gipfelgefühle kommen kaum auf, schließlich ist es nur ein kleiner Fels inmitten des Waldes. Aber der Blick zu den Jagdhäusern im Pustertal ist ganz prima!

Vom Elferköpfl überblickt man das idyllische Pustertal
Vom Elferköpfl überblickt man das idyllische Pustertal

Kurzer Besuch der Asamklamm

Der Abstieg nach Eschenlohe fällt vergleichsweise schnell aus. In der Nähe des Elferköpfls gibt es einen guten Steig, der direkt zum Forststraßengewirr hinabführt. Auch dieser schmale Steig ist in erstaunlich gutem Zustand, so dass ich rasch vorwärts komme.

Im Gras manchmal kaum zu sehen, dennoch ist der Steig bestens ins Schuss
Im Gras manchmal kaum zu sehen, dennoch ist der Steig bestens ins Schuss

Wenig später überquere ich den Hahnbichlsteig und steige auf Ziehwegen weiter zur breiten Forststraße ab. Den einen oder andere zusätzliche Kurve bedeutet dieser Weg durchaus, aber ich muss natürlich etwas weniger aufpassen. Früher als gedacht komme ich dem Ortsrand von Eschenlohe näher. Da ich keine besonders große Lust habe, in der sommerlichen Hitze am Bahnhof länger auf meinen Zug zu warten, statte ich vor der Rückkehr zum Ausgangspunkt noch der Asamklamm und der darüber führenden Brücke einen Besuch ab.

Die Brücke über die Asamklamm sorgt für beeindruckende Tiefblicke
Die Brücke über die Asamklamm sorgt für beeindruckende Tiefblicke

Von der Brücke aus führt ein steiler Steig hinunter auf den Boden der Klamm. Zwar wirken die Felswände von unten noch einmal imposanter, besonders viel zu sehen gibt es allerdings nicht. Das liegt sicherlich vor allem daran, dass die Klamm nicht begehbar ist und somit Perspektivwechsel ausbleiben.

Am Ausgang der Asamklamm
Am Ausgang der Asamklamm

Fazit

Die relativ kurze Tour zu Zwölferköpfl und Elferköpfl hat mich größtenteils auf ganz neue Wege geführt. Sicherlich, beide Gipfel rangieren im Estergebirge unter ferner liefen, bieten aber relativ ruhige Erlebnisse und überrraschend viel Abwechslung. Für Gipfelsammler gehören beide Ziele jedenfalls auf die abzuarbeitende Liste! Wer schönere Fotos als ich machen möchte, sollte die Tour allerdings nicht an diesigen Hochsommertagen wiederholen …

Tourendatum: 21. Juni 2025

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