Eine Fahrt mit einem Heißluftballon fand ich schon viele Jahre eine interessante Idee. Vor einigen Jahren habe ich einen Gutschein geschenkt bekommen, den ich nach einigen wetterbedingten Absagen mehr als zwei Jahre später endlich einlösen konnte: bei der Montgolfiade am Tegernsee hat es im Januar 2025 schließlich geklappt!
Inhalt
Schon wieder eine wetterbedingte Absage?
Aber auch bei diesem Anlauf scheint das Glück nicht auf meiner Seite zu sein. Zwar kann ich problemlos ein Ticket für eine Ballonfahrt für den Eröffnungstag der Montgolfiade in Bad Wiessee erwerben, aber die Wettervorhersage für diesen Tag wird immer schlechter, je näher der Sonntag rückt. Dennoch buchen wir kurzfristig ein Zimmer in Bad Wiessee, denn mit einem Säugling ist die frühmorgendliche Fahrt an den Tegernsee mit etwas viel Risiko behaftet. Schließlich müssten wir schon um 9:00 morgens am Treffpunkt sein, und das am besten pünktlich!
Aber am Freitag, nur eine Stunde nach der Hotelbuchung, bekomme ich einen Anruf von der Tourismusinformation Tegernseer Tal, die das Event organisiert. Alle Mitfahrten für Sonntag seinen wegen des schlechten Wetters abgesagt, aber wenn ich wolle, könne ich am Samstag Nachmittag eine Möglichkeit wahrnehmen? Eine kurze Rücksprache mit der Familie später sage ich zu – und freue mich sehr, dass einige Ballonteams offenbar schon einen Tag vor der Eröffnung anreisen.
Spontan klappt es dieses Mal doch!
Gespannt auf das, was mich erwarten wird, fahren wir am Samstag nach Bad Wiessee. Wir sind etwas früh dran, so dass wir noch einen entspannten Spaziergang am Seeufer unternehmen und den ersten Ballonfahrten zuschauen können. Eine Landung eines Ballons direkt am Wiesseer Seeufer missglückt, immerhin kann der Pilot aber eine Wasserung knapp vermeiden. Auf der anderen Seeseite beobachten wir eine geglückte Landung auf einer Wiese auf Höhe der Sonnseiten. Es ist also schon einiges los!

Nach einer leckeren Pizza machen wir uns dann auch auf den Weg zum Treffpunkt. Der Pilot mit Team trifft trotz seiner langen Anfahrt aus der Pfalz rechtzeitig ein, seine Passagiere sind auch vollzählig erschienen. Ein letzter Check der Wetterverhältnisse später machen wir uns auf den Weg zu unserem Startplatz in Rottach-Egern. Heute weht ein laues Lüftchen aus südlichen Richtungen, so dass wir wohl mehr oder weniger direkt über den Tegernsee fahren werden.
Start in Rottach-Egern
Am Startplatz am Fuß des Wallbergs gibt es einiges zu tun. Vor allem für das sichtlich gut eingespielte Team, dass ohne große Absprache weiß, was in welcher Reihenfolge zu tun ist. Auch die Passagiere bekommen eine kleine Aufgabe, so dass alle etwas zu tun haben. Wichtiger ist aber die Einweisung, die wir erhalten: in welcher Reihenfolge steigen wir wann ein, wer steht auf Grund der Körpergröße wo und wie sollten wir uns bei der Landung verhalten. Ich versuche mir alles zu merken, während der Ballon bereits gefüllt ist und Dank des nun eingeschalteten Brenners sich langsam aufrichtet. Wenige Momente später springen alle Mitfahrer in den Korb und mit ersten zaghaften Hüpfern heben wir kurz darauf ab!

Sehr langsam steigen wir über unserem Startplatz empor. Es ist fast windstill, so dass wir zunächst vor allem an Höhe gewinnen. Es ist sehr faszinierend, wie sich das Gefühl für die Höhe dabei langsam verändert. Kommen mir die ersten Meter noch sehr hoch vor, merke ich später die Höhenveränderung nicht mehr durch einen Blick in die Tiefe. Ob 100 m über dem Boden oder 500 m – es scheint kaum mehr einen Unterschied zu machen!

Immerhin habe ich Dank meiner langjährigen Erfahrung in den Münchner Hausbergen einen kleinen Vorteil: auch ganz ohne Technik kann ich Dank der umliegenden Berge dann doch sehr genau unsere aktuelle Höhe bestimmen. Unser Pilot Uwe schaut zwar doch lieber auf seine umfangreiche Ausrüstung mit dem neuesten Schnick-Schnack, zeigt sich aber durchaus beeindruckt, dass ich alle Gipfel der Umgebung kenne.

Still und leise über dem Tegernsee
Schließlich erwischen wir ein wenig Wind und mit sehr gemütlicher Geschwindigkeit fahren wir gemütlich über Rottach-Egern hinweg. Während die erste Gasflasche bereits leer ist, schweben wir über den Häusern in Richtung Ringsee. Abgesehen vom Rauschen des Brenners ist nicht viel zu hören: die Geräusche des Straßenverkehrs sind zu weit weg, den leichten Wind hören wir nicht, da wir genau mit ihm unterwegs sind.

Noch immer gewinnen wir leicht an Höhe, so dass die Aussichten und Tiefblicke immer besser werden. Schließlich schweben wir um die 1.500 Meter über dem Tegernsee und das Panorama wird immer besser!

Fernblicke
Besonders schön ist aber am heutigen Tag die Fernsicht. Zwar zeigt sich der Himmel über den Alpen zumeist mit leichten Schleierwolken mal mehr, mal weniger bedeckt. Glücklicherweise befindet sich die Wolkendecke aber weit über den höchsten Gipfeln. Unter den Wolken schauen wir bis zu den Tauern hindurch, glasklar heben sich jenseits des Wallbergs Großglockner (Luftlinie ziemlich genau 100 km) und Großvenediger ab.

Aber auch der Ausblick zu den näheren Gipfeln ist ganz prima. Während die Bayerischen Voralpen fast ohne Schnee auskommen, zeigt sich das Karwendel im Gegenlicht natürlich von seiner winterlichen Seite. Wie jedes Mal freue ich mich, Kaltwasserkarspitze, Birkkarspitze und Ödkarspitzen zu sehen. Die höchsten Gipfel des Karwendels sind auch heute leicht auszumachen!

In Richtung Osten ist die Sicht schon etwas eingeschränkter, aber auch die Zugspitze zeigt sich am Horizont. Von unserer aktuellen Position aus könnte ich lange schauen und staunen. Viele Gipfel im Umkreis sind mir natürlich bestens vertraut, aber es gibt so viel mehr zu entdecken. Schließlich sind wir gerade deutlich höher als die Berge rund um den Tegernsee: der Blickwinkel ist ungewohnt und neu!

Baumwipfel streicheln den Korb bei Marienstein
Langsam schiebt uns der übersichtliche Wind vom Tegernsee weg und Uwe macht sich Gedanken über einen Landeplatz. Das bedeutet auch, dass er den Brenner schon lange nicht mehr betätigt hat. Zu Beginn merken wir kaum, wie es abwärts geht, später ist der eine oder andere Druckausgleich der Ohren unbedingt notwendig. Mit nur noch wenigen hundert Metern Höhenunterschied schweben wir über Marienstein und die Berge bleiben langsam zurück. Nun gelten die Ausblicke dem flachen Oberland!

Wir sinken immer weiter, und Uwe scheint sich einen Spaß daraus zu machen, möglichst nahe an die Baumkronen zu gelangen und seine Fahrkünste zu demonstrieren. Tatsächlich ist die Sache nicht ganz einfach, denn die Verzögerung zwischen der Betätigung des Brenners und dem daraus resultierenden Aufstieg des Ballons ist vergleichsweise groß.

Landung im zweiten Anlauf
Jenseits des Walds öffnet sich das Gelände und Uwe erspäht eine geeignete Wiese für die Landung. Über Funk beordert er auch schon das Teamfahrzeug herbei, dass über eine asphaltierte Straße auch schon schnell an Ort und Stelle ist. Wir Passagiere machen uns schon langsam bereit, als sich schon in Bodennähe unerwartet der Wind ändert. Wir drohen die Wiese knapp zu verpassen …

Unser Pilot lässt also den Brenner noch einmal ordentlich dröhnen und wir gewinnen wieder schnell an Höhe. Reichersbeuern zieht langsam an uns vorbei, während wir nun auf Bad Tölz zusteuern.

Gerade noch rechtzeitig vor den feuchten Wiesen zwischen Greiling und Mühle, ergibt sich aber noch einmal eine letzte gute Landemöglichkeit „mit Straßenanschluss“, die Uwe mit sicherem Blick entdeckt. Sehr rasant lässt er den Ballon in die Tiefe rauschen, um ihn nur wenige Meter über dem Boden abrupt abzufangen.

Wir überqueren noch in der Luft den asphaltierten Weg und landen nur 5 Meter weiter sanft in der angrenzenden Wiese. Schnell klettern wir aus dem Korb, während die schwere Ballonhülle langsam zusammensackt und es sich auf Wiese und Fahrweg regelrecht bequem zu machen scheint.

Noch bevor das Team mit dem Begleitfahrzeug kommt, beginnen wir den Ballon zusammenzulegen. Das ist gar nicht so einfach, so dass wir uns freuen, als noch ein paar helfenden Hände hinzukommen. Schließlich ist das ganze Equipment im Anhänger verstaut und wir kommen zum gemütlichen Abschluss. Für alle heutigen Passagier war es die erste Ballonfahrt, so dass gleich fünf Taufen vorzunehmen sind. Zukünftig bin ich standesgemäß als Herzog Johannes, abenteuerlustiger Eroberer der Lüfte, zur aussichtsreichen Fahrt am Wallberg anzusprechen!
Fazit
Die Fahrt mit dem Heißluftballon während der Montgolfiade am Tegernsee war ein besonderes Erlebnis. Zwar kannte ich die nähere Umgebung auch von oben betrachtet bereits sehr gut, dennoch hat sich das kleine Abenteuer sehr gelohnt. Der nächste Schritt wäre dann jetzt wohl eine Alpenüberquerung im Ballon!
Fahrtdatum: 25. Januar 2025
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