Die beste Zeit, den Herzogstand zu besuchen, ist während der Revision der Seilbahn. Die zweitbeste Zeit sind die Wintermonate, zumindest wenn nicht allzu viel Schnee liegt. In allen Jahreszeiten gilt es natürlich, die Wochenenden zu meiden: der Herzogstand ist bei den Münchnern Dank seiner großartigen Lage einfach zu beliebt. Schließlich locken zur Nordseite die freien Ausblicke über den Kochelsee weit ins Voralpenland, nach Süden sind die Karwendelgipfel zum Greifen nah. Eine kaum zu überbietende Kombination, der ich – dieses Mal an einem Werktag während meiner Elternzeit – nach einigen Jahren mal wieder nachspüre!
Inhalt
Fast Schneefrei zum Herzogstandhaus
Die Anfahrt mit dem Zug nach Kochel und dem Bus zum Walchensee klappt mal wieder wie am Schnürchen. Noch besser ist natürlich, dass direkt neben der Bushaltestelle der Steig in Richtung Herzogstand beginnt. Das Warmlaufen entfällt somit allerdings, der Steig führt auch in diesem Jahr gleich in Serpentinen bergwärts. Von Schnee ist dabei erst einmal nichts zu entdecken, die vielen Sonnenstunden der letzten Wochen haben ganze Arbeit geleistet. Die Landschaft erinnert mit ihren erdigen Farben an einen sonnigen Novembertag vor dem ersten Wintereinbruch.

Mit fortschreitender Höhe zeigen sich dann doch noch erste Schneeflecken. In den sonnenabgewandten Kehren unterhalb des Martinskopf ist der Steig sogar für einige Meter durchgehend schneebedeckt. Gerade weil es hier eher steil zur Sache geht, sind die vorhandenen Trittspuren hilfreich. Meine Grödel dürfen also im Rucksack bleiben. Noch, denn etwas überraschend ist der Steig auf den letzten Metern vor dem Herzogstandhaus vereist. Aber kein Problem, dafür habe ich die Grödel ja nun einmal dabei!

Abstecher zum Fahrenbergkopf und Martinskopf
Am Herzogstandhaus angekommen blicke ich eine ganz andere Welt. Der Kessel zwischen Herzogstand, Martinskopf und Fahrenbergkopf ist der Jahreszeit angemessen vollständig mit Schnee bedeckt. Skifahrer sind zwar keine unterwegs (der kleine Schlepplift läuft wohl nur am Wochenende), aber hier ist noch richtig Winter! Für den kurzen Abstecher zum ziemlich verbauten Fahrenbergkopf stapfe ich also ordentlich durch den Schnee – und bin ganz froh, die Grödel bereits an den Füßen zu haben. Zwar ist die Steigung eher übersichtlich, hin und wieder zeigen sich aber hartnäckig vereiste Stellen. Oberhalb der Bergstation der Herzogstandbahn war ich zuvor noch nie, so dass heute mein erster Besuch auf dem Fahrenbergkopf ansteht. Schließlich ist die Gelegenheit günstig, denn es ist kaum etwas los. Ungestört kann ich die für mich neue Aussicht von der Kapelle am höchsten Punkt in aller Ruhe genießen.

Während unter mir der Walchensee in der Sonne glitzert, lohnt natürlich auch der Blick zu den unmittelbar benachbarten Gipfeln. Dabei zeigt sich der Martinskopf noch sehr winterlich, der Herzogstand selbst ist Dank seiner südseitigen Ausrichtung schon wieder nahezu schneefrei. Auf mich warten also zwei ganz unterschiedliche Anstiege!

Mit Grödeln dauert die Rückkehr zum Herzogstandhaus nur wenige Momente. Der Abzweig zum Martinskopf ist Dank zahlreicher Spuren auch in diesem Winter kaum zu übersehen. Die ersten Serpentinen des ehemaligen Reitsteigs sind durch die Ostflanke auch prima zu gehen. Erst in Gipfelnähe wird das Gelände etwas schwieriger: eine Kehre ist schon lange zugewachsen – und jetzt ist der unmittelbare, steile Aufschwung ein wenig vereist. Die eine oder andere Spur zeugt von mehreren Rutschpartien, die ich aber mühelos übersteigen kann. Auf den letzten Metern ist der Schnee schon längst geschmolzen. Gemütlich in der Sonne sitzend kann ich meine Brotzeit und die (dem Fahrenbergkopf vergleichbare) Aussicht vom Martinskopf genießen.

Finale Höhenmeter zum Herzogstand
Gut gestärkt verlasse ich den Martinskopf auf meinem Anstiegsweg und beginne wenig später den Anstieg zum Herzogstand selbst. Bis zum Ende des Fahrwegs liegt noch eine Menge Schnee, danach kann ich meine Grödel erst einmal abziehen. Der finale Anstieg ist weitgehend trocken, auch wenn natürlich hin und wieder ein wenig Schmelzwasser den Hang hinunter kommt. Dementsprechend schnell erreiche ich über die weiten Kehren den höchsten Punkt meiner heutigen Tour.

Die Aussicht am heutigen Tag ist grandios und so vielfältig wie selten. Das nahezu schneefreie Voralpenland steht im seltenen, aber schönen Kontrast zu den schneebedeckten Gipfel des Karwendels. Zudem glitzern Kochel- und Walchensee im Sonnenlicht, die beiden unmittelbaren Nachbarn Jochberg und Heimgarten sind natürlich ebenso ein Blickfang. Ich könnte lange hier oben bleiben, würde nicht ein frischer Wind über den Herzogstand aufkommen. So bleibt es zwar sehr sonnig und schön, aber die gefühlten Temperaturen sind dann doch überraschend niedrig. Ein paar Fotos waren natürlich trotzdem noch drin!

Abstieg über die Talabfahrt
Für den Abstiegsweg habe ich mir den Fahrweg über die Nordflanke ausgesucht. Dafür muss ich zuerst zurück zum Herzogstandhaus absteigen. Ab hier kommen dann noch einmal meine Grödel zum Einsatz, denn der Fahrweg führt in einer weiten Serpentine direkt über die Skipiste und ist gewissermaßen mitpräpariert worden. Da aber weiterhin keine Skifahrer unterwegs sind, kann ich diese nicht ganz ungefährliche Passage aber sicher queren. Im Fuß des Talkessels bleibt die eigentliche Skipiste nun zurück. Zwar folgt die Talabfahrt nach Urfeld dem Fahrweg, mangels Schnee ist diese aber sowieso nur noch selten vollständig zu befahren.

Bald dreht der Weg endgültig auf die Nordseite des Herzogstands und der Schnee kehrt zurück. Hier in dem Bereich verlässt die Talabfahrt den Fahrweg und führt als wenig ansehnliche Schneise meist in recht direkter Linie talwärts. Spuren einer Befahrung sind nur selten auszumachen, präpariert wurde dieser Abschnitt wohl auch schon längere Zeit nicht mehr. Es würde mich nicht wundern, wenn hier bald der offizielle Skibetrieb eingestellt würde.

Der weitere Abstiegsweg nach Urfeld zieht sich auch heute wieder ganz schön in die Länge. Hinter jeder Kurve wartet schon die nächste, endlich rückt der Walchensee aber langsam näher. Die Sonne steht schon tief, als ich noch eine neue Wegvariante ausprobiere. Wenige Minuten später erreiche ich dann die Bushaltestelle, an der ich etwas länger auf den Bus warten muss: ausnahmsweise ist das Zeitmanagement heute nicht besonders gut ausgefallen. Wie praktisch, dass ich nicht weit entfernt eine Bank finde und das letzte Tageslicht genießen kann!

Fazit
Wie jedes Mal hat der Herzogstand auch bei dieser Besteigung gezeigt, was er kann! Darüber hinaus bin ich ebenfalls ein weiteres Mal sehr froh gewesen, außerhalb der Hochsaison die Tour gemacht zu haben. Ganz alleine war ich zwar nicht unterwegs, dennoch konnte ich den Herzogstand vergleichsweise ruhig erleben und genießen!
Tourendatum: 21. Februar 2025
Schreibe einen Kommentar