Berg-Ge(he)n

Falkenhütte für Architekturwettbewerb nominiert!

Die Morgensonne schmeichelt der Falkenhütte

In den letzten Jahren habe ich viele neu gebaute oder generalsanierte Alpenvereinshütte besucht. Kaum eine aber war so schön wie Falkenhütte. Das hat sich auch bis nach Liechtenstein und in die Schweiz herumgesprochen, wo die Falkenhütte für einen Architekturpreis nominiert worden ist. Ob’s zum Gewinnen reichen wird? Denn auch die Konkurrenz aus dem gesamten Alpenraum ist durchaus sehenswert!

Constructive Alps – noch nie gehört?

Bereits zum vierten Mal ist der renommierte Architekturwettbewerb Constructive Alps ausgeschrieben worden. Ich habe erst vor wenigen Tagen davon zum ersten Mal gehört. Vielleicht hätte ich den Wettbewerb auch gleich wieder vergessen, wäre nicht die Falkenhütte unter den Nominierungen gewesen. Aber worum geht es bei Constructive Alps eigentlich?

„Zum sechsten Mal schrieben die Schweizerische Eidgenossenschaft und das Fürstentum Liechtenstein Constructive Alps aus – ein mit 50’000 Euro dotierter Architekturwettbewerb, der nachhaltiges Bauen und Sanieren im Alpenraum auszeichnet. Die Jury lud Architekt:innen und Bauherr:innen ein, ihre Bauten aus den Jahren 2017 bis 2021 vorzulegen, die im Gebiet der Alpen etwas zur Erreichung des Klimaziels «Netto Null» beitragen.“

https://www.constructivealps.net/

Ich finde es bemerkenswert, dass das Spektrum der im aktuellen Wettbewerb eingereichten Gebäude sehr weitreichend ist: von Berghütten über eine Schule bis hin zu einer Lokhalle ist alles vertreten. Ein Gemeinsamkeit weisen aber alle Nominierungen auf, denn das Thema des nachhaltigen Bauens zieht sich durch alle vorgestellten Bauten konsequent durch:

„Oberste Prämisse ist, Häuser zu bauen, die mit der Natur arbeiten statt gegen sie. Die Kraft der Natur positiv nutzen und diese in die Architektur miteinfliessen lassen. Die ökologische Verantwortung ist eine zentrale Messlatte, an der die eingereichten Projekte beurteilt werden.“

https://www.constructivealps.net/nachhaltigkeit/

Warum die Falkenhütte gewinnen könnte

Mir hat die generalsanierte Falkenhütte bei meinem Besuch im Spätsommer letzten Jahres anlässlich der Besteigung des Steinfalks sehr gut gefallen. Das ist natürlich alles andere als eine Garantie zum Gewinn des Wettbewerbs. Wenn ich aber genauer darüber nachdenke, erfüllt die Falkenhütte auf Anhieb zahlreiche Kriterien! Selbst mir als Laien fallen eine ganze Menge Punkte ein:

  • Schon beim Näherkommen an die Hütte sind die neuen, noch sehr hellen Holzschindeln ein wahrer Blickfang. Die Verwendung natürlicher Materialien setzt sich auch in den Innenräumen fort. Gerade der obere Teil des Treppenhauses wirkt durch die vielen frischen Holztöne sehr freundlich und einladend.
  • Die Gaststube überzeugt wiederum auf ihre ganz eigene Art und Weise. Hier wurde die bestehende Holzverkleidung behutsam restauriert und in den sanierten Gastraum erneut integriert. Eine kleine, aber sehr wirkungsvolle Zeitreise in die Vergangenheit der Hütte!
  • Nachhaltigkeit ist deutlich mehr, als Holz zu verbauen. Mir persönlich gefällt beispielsweise die Idee sehr gut, Hütten nicht komplett neu zu errichten, sondern zu sanieren und Bewahrenswertes zu erhalten. Nicht zuletzt wird dadurch der Standort gewahrt und das umliegende, sagenhaft schöne alpine Gelände wird von neuer Bautätigkeit verschont.
  • Auch bei der Inneneinrichtung wurde auf Umweltverträglichkeit geachtet. Vieles ist davon für Gäste der Hütte nicht sichtbar: welches Dämmungsmaterial beim Bau der Hütte verwendet worden ist, werde ich wohl so schnell nicht erfahren. Auf der Webpräsenz der Falkenhütte finden sich jedoch zahlreiche Informationen, gerade auch zum Thema Naturschutz und Umweltverträglichkeit. Von Ökostrom bis zu lange haltbaren und trotzdem bequemen Matratzen im Lager.
Im Vergleich zu den mächtigen Karwendelwänden wirkt die Falkenhütte winzig
Im Vergleich zu den mächtigen Karwendelwänden wirkt die Falkenhütte winzig

Was ist Dein Favorit für den Publikumspreis?

Neben den Auszeichnungen der fachkundigen Jury wird es im Wettbewerb wieder einen Publikumspreis geben. Die Möglichkeit zur Abstimmung bis Anfang Juli findest Du hier. Ich habe meine Stimme natürlich der Falkenhütte gegeben, dennoch gibt es zwei weitere Projekte, die mir auf den ersten Blick sehr gut gefallen haben:

Campofei: Wiedergeburt eines Dorfes

Über viele Jahrhunderte konnte sich die Landwirtschaft oft nur mühsam in den abgelegenen Alpentälern halten. Konkurrenzfähigkeit ist die viele manuelle Arbeit heute oft nicht mehr. Gerade in den Westalpen sind daher zahlreiche Höfe, manchmal sogar auch kleinere Dörfer bereits aufgegeben worden. Im südlichen Piemont wurde ein schon fast verlassener Weiler regelrecht wiederbelebt. Die Bilder der sanierten Häuser sind vielversprechend – ich würde da sehr gerne wohnen!

Gruttenhütte

Einer der wichtigsten Stützpunkte auf der Südseite des Wilden Kaisers ist die Gruttenhütte. Im Rahmen der Sanierung der Hütte wurden zwei Nebengebäude abgerissen und das verbleibende Hauptgebäude sorgsam saniert und erweitert. Da ich sowieso einmal auf die Ellmauer Halt wollte, werde ich hier im Sommer mal vorbeigehen. Die Hütte scheint einen Besuch zu lohnen!

Für welches Projekt hast Du abgestimmt? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

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