Berg-Ge(he)n

Sonnenuntergang auf der Baumgartenschneid

Die erste Gelegenheit zu einer Feierabendtour ergibt sich im bislang nicht so schönen Sommer 2021 ausgerechnet an den ersten Tagen der Europameisterschaft: Frankreich gegen Deutschland – oder doch lieber noch eine kurze Bergtour? Die Entscheidung fällt mir wenig überraschend sehr leicht.

Feierabend!

Meine Mittagspause verbringe ich mit den ersten Tourenvorbereitungen: frische Bergsemmeln beim Bäcker holen, Brotzeit vorbereiten, Getränkeflaschen füllen. Und so steht einige Stunden vor dem Start bereits der fertig vorbereitete Rucksack im Flur – und für mich geht es zurück an die Arbeit. Einige Stunden und Termine später ist es dann endlich soweit: Feierabend!

Ich schnappe mir die leichten Bergschuhe und den Rucksack, ein paar Minuten später treffe ich an der U-Bahn Susanne. Sie hat auch rechtzeitig Feierabend machen können und begleitet mich heute auf der Feierabendtour. Auf dem Weg zum Harras sehen wir in den entgegenkommenden U-Bahnen zahlreiche Fußballfans. Nicht ganz überraschend: das heutige Spiel findet in München statt und schon viele Stunden vor Anpfiff werden die Bahnen in Richtung Fröttmaning immer voller. Deutlich leerer ist der Zug nach Tegernsee, der mit ein paar Minuten Verspätung schließlich am Harras eintrudelt. Wir machen es uns gemütlich und nur eine Stunde später erreichen wir unseren Ausgangspunkt am Tegernsee.

Einsamer Aufstieg

Das kleine Städtchen am Ufer des gleichnamigen Sees liegt wie ausgestorben dar. Keine Touristen, kaum Einheimische sind unterwegs. In der noch ganz schön heißen Abendsonne beginnen wir den einsamen Aufstieg in Richtung Pfliegeleck. Sobald wir den Waldrand oberhalb des Sonnleitenwegs erreichen, wird der Anstieg zumindest etwas schattiger. Schweißtreibend bleibt es auf den Serpentinen hinauf zum Pfliegeleck dann aber schon. Eigentlich wäre heute Abend ein Sprung in den kühlen Tegernsee passender als eine kurze Bergtour …

Jenseits des Pfliegelecks zeigt sich zum ersten Mal die Baumgartenschneid

Hinter dem Pfliegeleck wird das Gelände deutlich einfacher, es geht sogar etwas bergab. Weiterhin ist nur wenig los und das Berggasthaus Galaun hat sogar geschlossen. Im gar nicht so langen, aber stufenreichen Anstieg zum Riederstein gibt es dann plötzlich Gegenverkehr: ein paar Mountainbiker schieben ihre Räder an uns vorbei. Ich lasse mir den kurzen Abstecher zur Kapelle nicht nehmen, das Licht über dem Tegernsee ist noch zu gleißend für schöne Fotos. Sanfter fällt erwartungsgemäß der Blick ins Weißachtal aus.

Einblick ins abendlich ausgeleuchtete Weißachtal

Farbenprächtiger Sonnenuntergang

Auch die letzte Geländestufe nehmen wir beherzt in Angriff – und erreichen nur zwei Stunden nach dem Aufbruch in Tegernsee den Gipfel der Baumgartenschneid. Die breite Gipfelbank ist leider besetzt, aber die Brotzeit schmeckt auch auf einer der zahlreichen Stufen am Rande des Gipfels. Und während es langsam auffrischt warten wir auf den Sonnenuntergang. Immer wieder schieben sich Wolkenfetzen am Horizont vorbei, die sehr willkommen sind – und während der nächsten Stunde zahlreiche schöne Stimmungen erwarten lassen.

Noch ist alles eher unspektakulär …

Sobald die Sonne immer tiefer sinkt, kommen wir aus dem Fotografieren kaum mehr heraus. Zwar verschwindet die Sonne immer wieder hinter einem Wolkenband, taucht aber meistens schon wenige Momente später wieder auf. Es ist großartig – und wir können uns kaum losreißen. Aber kaum verschwindet die Sonne hinter dem Horizont wird es Zeit, wieder die Rucksäcke zu schultern: sonst wird’s knapp mit dem Zug in Tegernsee …

Die Farben werden von Minute zu Minute spektakulärer!

Abstieg während des Spiels

Vor dem Abstieg ein letzter Blick auf’s Handy: Hummels hat gerade ins eigene Tor getroffen. Schade. Aber der guten Laune tut das keinen Abbruch: der Sonnenuntergang war prächtig – und Fußball erscheint in dem Moment völlig unwichtig zu sein. Dennoch hole ich auch während des Abstiegs im Schein der Stirnlampen immer wieder das Handy aus der Tasche. Hin und wieder reicht der Empfang für einen Blick auf den Live-Ticker. Aber am Spielstand ändert sich nichts, und auch sonst scheinen wir nicht allzu viel vom Spiel zu verpassen. Ganz anders beim Blick nach Nordwesten: Zwischen den zahlreichen Bäumen lässt sich immer wieder erahnen, wie unfassbar rot der Horizont gerade sein muss: die Wolken werden noch lange von der gerade untergegangen Sonnen von unten angestrahlt. Leider öffnet sich kein Blickfenster im meist viel zu dichten Wald. Wie zum Ausgleich erreichen wir den Tegernseer Ortsrand und können den nächtlichen Blick über den See genießen. Und da wir noch ein paar wenige Minuten Puffer haben, reicht die Zeit auch noch für nächtliche Fotoversuche. Aber dann müssen wir doch weiter zum Bahnhof – den wir auch fünf Minuten vor Abfahrt des letzten Zugs nach München sehr pünktlich erreichen.

Der Mond ist über dem Tegernsee bereits aufgegangen

Fazit

Man sollte meinen, ich wäre im Laufe der Jahre schon oft genug auf der Baumgartenschneid gewesen. Immerhin war das bereits das dritte Mal, dass ich alleine während einer Feierabendtour dort oben war: aber es ist einfach ein toller Gipfel, von dem aus ich mich an der Sommerabendstimmung kaum satt sehen kann. Und das Deutschland verloren hat, war nach dem Sonnenuntergang auch völlig egal …

Tourendatum: 15. Juni 2021

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