Einige Höhenwege in den Dolomiten sind nach mittlerweile längst vergessenen Personen benannt, die sich mit persönlicher Einsatzfreude, alpinen Taten oder manchmal auch schlicht mit großzügigen Finanzmitteln um die Erschließung der Region verdient gemacht haben. Ein Beispiel für letzteres ist der Leipziger Verleger Georg Hirzel, nach dem der Hirzelweg im südlichen Rosengarten benannt ist. Dieser einfache Höhenweg führt von der Kölner Hütte zur Rotwandhütte – und begeistert seit mehr als hundert Jahren mit ausgezeichneten Ausblicken!
Inhalt
Schneller, aber teurer Aufstieg zur Kölner Hütte
Für die heutige Tour verlassen wir unsere Ferienwohnung auf dem Matzhof – und gehen zur Abwechslung erst einmal hinunter nach Welschnofen. Das ist zwar eigentlich die falsche Richtung, aber heute nehmen wir ausnahmsweise die Seilbahn, die uns mehr als 1.000 Höhenmeter Aufstieg erspart – und gleichzeitig ein kleines Loch in die Urlaubskasse reißt. Ganz günstig ist die längere Fahrt jedenfalls nicht – dennoch gönnen wir uns heute die Annehmlichkeiten der touristischen Infrastruktur!
Für unsere Tochter ist es die erste Fahrt mit einer Seilbahn. Zuerst mit viel Skepsis nimmt sie auf der Sitzbank Platz – und staunt während der nächsten Minuten über jede entgegenkommende Gondel. So ganz geheuer ist ihr das alles jedenfalls nicht und so nimmt sie, an der Kölner Hütte angekommen, gerne wieder Platz in ihrer Kraxe. So statten wir ganz entspannt der Terrasse der Hütte einen Besuch ab. Noch zeigen sich die umliegenden Gipfel zumeist wolkenverhangen, aber ein paar Fotos sind vor dem Start der eigentlichen Wanderung trotzdem schnell auf die Speicherkarte gebannt.

Am Fuß des Rosengartens entlang
Während unsere Tochter in der Kraxe langsam einschläft, beginnen wir mit unserem Weg zur Rotwandhütte. Trotz des frühen Starts sind wir nicht allein, denn heute hatten zahllose andere Touristen die gleiche Idee. Nach ein paar steileren, im Schutt etwas rutschigen Passagen findet der Hirzelweg seine weitgehende gleichbleibende Höhe. Zwar müssen wir ein paar Mal auch auf unsere Füße achten, meistens können wir auf dem nun weitgehend einfachen Steig recht entspannt die Aussicht genießen. Die hat sich nämlich zwischenzeitlich verbessert, denn die morgendlichen Wolken haben sich gehoben. Insbesondere der in Gehrichtung liegende Latemar zieht dabei unsere Blicke immer wieder auf sich – genauso wie das Weißhorn, dass wir wenige Tage zuvor bestiegen haben.

Gute und kleinkindgerechte Pausenplätze sind allerdings Mangelware, aber genau zur Mittagszeit entdecken wir direkt unterhalb der gewaltigen Rotwand neben einem Felsblock eine passende Möglichkeit mit angenehmen Sitzsteinen.

Vinschgerl, Kaminwurzen und ein knackiger Südtiroler Apfel locken auch unsere mittlerweile ausgeschlafene Tochter aus der Kraxe. Zwar schaut sie auch mal interessiert zu den Bergspitzen über uns hinauf, konzentriert sich dann aber lieber auf ihre Brotzeit. Ich selbst finde den Felsblock neben unserem Pausenplatz durchaus spannend: einerseits ist er zum Bouldern sehr gut geeignet, andererseits finde ich in einem schattigen Eck ein paar Exemplare eines fast schon verblühten Blaugrünen Steinbrechs. Diese unscheinbare Pflanze ist genauso wie der sehr ähnliche Moos-Steinbrech perfekt an höchste Gebirgslagen angepasst. Ich freue mich immer, wenn ich bei alpinen Touren die überraschend zarten Stängel und Blüten entdecke!

Glücklich zwischen den Regenwolken hindurch
Nach der wohlverdienten Pause folgen wir dem weiterhin gut zu gehenden Steig weiter nach Süden. Sobald die Verengung auf Höhe des Karerpasses näherrückt, wird es allerdings windiger. Das ist physikalisch ziemlich naheliegend, aber doch für uns eher unangenehm. Zumal auch mittlerweile wieder mehr Wolken aufgetaucht sind, die teilweise nach Regen aussehen. Ein Blick auf’s Wetterradar zeigt schnell: ja, der eine oder andere Schauer ist mittlerweile unterwegs. Da wir keine gute Alternative haben, gehen wir zunächst aber einfach weiter. Jenseits des Karerpasses beruhigt sich der Wind erwartungsgemäß wieder, als wir auf der anderen Seite bald das Christomannos-Denkmal erreichen. Gewidmet ist der überraschend große Adler einem der Pioniere des Südtiroler Fremdenverkehrs, Theodor Christomannos, der unter anderem den Bau der Straße über den Karerpass sowie des dortigen Hotels vorantrieb.

Da wir nicht ganz ausschließen können, dass uns auch einmal ein Schauer ereilen wird, gehen wir nicht weiter zur Rotwandhütte. Stattdessen nutzen wir einen dort zur Paolinahütte abzweigenden Steig, deren Terrasse mehr als gut gefüllt ist. Wir ergattern immerhin einen Platz für eine kurze Einkehr, steigen aber bald weiter zum Karerpass und der dortigen Bushaltestelle ab. Da wir für den anvisierten Bus etwas zu früh sind, bleibt sogar noch etwas Zeit für Fotos von Herbstzeitlosen, die zu Tausenden auf einer Wiese oberhalb des Passes stehen. Dabei kommt sogar hin und wieder die Sonne raus!

Fazit
Auch wenn wir wegen der aufziehenden Regenwolken nicht ganz bis zur Rotwandhütte gekommen sind, hat uns der Hirzelweg mit seinen tollen Ausblicken rund um den Rosengarten gefallen. Mit Kraxe ist der überwiegend einfache Höhenweg gut machbar – und dank Seilbahn halten sich die konditionellen Anforderungen in Grenzen. Eine schöne Familienwanderung in unserem Sommerurlaub im Eggental, zwar ohne Gipfel, aber dafür mit viel Aussicht!
Tourendatum: 23. August 2025
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