Der Frühling ist in den Tälern bereits angekommen, auf den Gipfeln der Münchner Hausberge lässt er aber Mitte April noch ein wenig auf sich warten. Es sei denn, man steigt ausschließlich über die mittlerweile fast schneefreien Südflanken hoch und wieder hinunter. Allzu viele Ziele stehen dadurch allerdings nicht zur Auswahl, zumindest wenn man nicht die immer wieder gleichen Berge ansteuern möchte. Beim Durchstöbern der Karten fällt mir mal wieder der Hirschbichel am ein, den ich sogar erst einmal zuvor bestiegen habe. Dieser steht im Schatten seines berühmten Nachbarn, des Kramers, und bekommt typischerweise sehr wenig Besuch, selbst von mir. Und so steige ich an Gründonnerstag hinauf und sehe mal nach, wie grün die Wiesen oben am Hirschbichel schon sind!
Inhalt
Einsamer Aufstieg durch’s Gelbe Gewänd
Zum ersten Mal überhaupt verlasse ich den Zug am Bedarfshalt Untergrainau. Außer mir steigt niemand aus und im morgendlichen, sehr kühlen Schatten mache ich mich auf den Weg zur Loisach. Nach der Querung der Bundesstraße erreiche ich wenige Meter auch bereits die Brücke. Auf der anderen Seite passiere ich ein einige Kletterfelsen und beginne den Aufstieg auf dem kleinen Fußweg, der einmal zum stolzen und überlaufenen Kramerplateauweg werden wird. Bevor es allerdings soweit ist, biege ich links ab und orientiere mich zum Steig, der mich bis zur Stepbergalm begleiten wird. Es dauert auch nicht allzu lange, bis die Aussicht sich zum ersten Mal öffnet!

Um mich herum zeigt sich nun schon öfters die Sonne, aber der Steig bleibt oft noch im Schatten. Das ist im Sommer sicherlich ganz angenehm, Mitte April sieht die Sache allerdings anders aus. Umso mehr freue ich mich, als im landschaftlich wunderschönen Gelben Gwänd mich endgültig die Sonne erreicht.

Lange Pause auf dem Hirschbichel
Jenseits des Gelben Gwänds dauert der weitere Aufstieg zur Stepbergalm nicht mehr allzu lange. Das Gelände lehnt sich bald zurück – und ich bin natürlich gespannt, ob sich hier auf den flacheren Wiesen noch etwas Schnee gehalten haben könnte. Das ist jedenfalls nicht der Fall, auch wenn noch zumeist die Erdtöne dominieren. Dennoch ist der eine oder andere grüne Grasfleck bereits auszumachen. Es kann nicht mehr lange dauern, bis auch hier der Frühling so richtig ankommt.

Auf dem weiteren Weg zum Gipfel des Hirschbichels begegnen mir sogar Menschen. Damit hätte ich genauso wenig gerechnet wie mit dem kleinen Trupp an Bundeswehrsoldaten. Insofern bin ich dann nicht überrascht, als auf dem verschneiten Ostgrat die Spurenlage sehr gut ist. Offenbar wird der Hirschbichel mittlerweile wieder öfters besucht? Früher sagten sich hier Fuchs und Hase gute Nacht, zumindest im Vergleich zu den beliebteren Nachbarn Kramer und Hoher Ziegspitz.

Meine Pause auf dem kleinen Gipfel kann ich aber ganz ungestört verbringen. Bei meinem letzten Besuch konnte ich auf Grund stürmischer Böen am Gipfel nur liegen, heute sieht die Sache ganz anders aus: ich kann sowohl sitzen als auch gefahrenfrei aufstehen und somit das Panorama genießen. Der Schnee hat sich auf den umliegenden Gipfeln nur noch auf den Nordflanken gehalten und der übermäßig mild ausgefallene Winter ist ganz allgemein auf dem Rückzug.

Zäher Abstieg nach Garmisch-Partenkirchen
Bisher war die Aussicht ganz passabel, aber zu Beginn des Nachmittags ziehen immer mehr Wolken auf. Somit gibt mal wieder das Wetter nach einer langen Gipfelpause das Zeichen zum Aufbruch. Die Schneepassage am Ostkamm dauert noch am längsten, angenehm schnell erreiche ich wieder die Flächen der Stepbergalm. Hier öffnet sich noch einmal der wunderbare Ausblick zum Wettersteinkamm. Wie immer ein majestätischer Anblick!

Nachdem ich den Steig durch das Gelbe Gwänd bereits im Aufstieg begangen habe, wähle ich mit dem Stepbergsteig den direkten Abstieg in Richtung Garmisch-Partenkirchen. Dieser Steig ist recht angenehm zu gehen und ich freue mich auf den vor mir liegenden Weg. Allerdings mag sich das sonst so gute Gefühl heute nicht einstellen. Die Sonne kommt nur noch selten raus, die Farben sind trist und der Steig zieht sich ganz ungewohnt in die Länge. Naja, vielleicht geht’s beim nächsten Mal wieder besser?

Fazit
Zwar liegt der Hirschbichel direkt am südwestlichen Rand des Ammergebirges, durch seine Lage in der zweiten Reihe fühlt sich das jedoch ganz anders an: er steht inmitten zahlreicher Berge und bietet dennoch eine schöne Rundumsicht. Insbesondere, wenn so wie an diesem Tag wenig los ist, fühle ich mich dort weit weg von jeglichem Alltag und kann wunderbar vom Alltag abschalten. Der Anstieg von lediglich 1.200 Höhenmetern lohnt sich!
Tourendatum: 16. April 2025
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