Die Zeit verfliegt immer schneller. Liegt es am Alter oder doch am anstrengenden Familienleben? Das Jahr 2025 ist jedenfalls schon wieder vorbei und es ist an der Zeit, auf aussichtsreiche Gipfel und schöne Touren zurückzublicken!
Inhalt
Früher Saisonstart
Unerwartet früh kann ich in die neue Bergsaison starten, denn der Winter zeigt sich auch in diesem Jahr mal wieder von seiner halbherzigen Seite. Die Südflanke des Herzogstands ist nahezu schneefrei, als ich mich im Februar auf den Weg vom Walchensee zum Gipfel mache. Der Lohn für den wie immer so kurzen wie leichten Anstieg ist ein grandioses Winterpanorama!

Im April ergibt sich die nächste Gelegenheit für eine Bergtour. Ich wähle erneut einen südseitigen Anstieg und besteige nach vielen Jahren mal wieder den Hirschbichel. Dieser Gipfel wird im Vergleich zu seinen Nachbarn Kramer und Hoher Ziegspitz weit seltener besucht. Umso überraschter bin ich, als ich im unmittelbaren Gipfelanstieg zahlreichen Personen begegne. Aber es ist durchaus erfreulich, dass der früher oft vergessene Hirschbichel nun wieder mehr Besuch und Wertschätzung erhält.

Erste Touren mit der Kraxe
Einen Monat später fallen die Temperaturen endlich sommerlicher aus. Das ist eine gute Gelegenheit, endlich die neue Kraxe ernsthaft auszuprobieren! Wir starten dabei ganz gemütlich zu einem längeren, jedoch flachen Spaziergang um den Kochelsee – und sind seitdem bereit zu einer richtigen Bergwanderung. Die verfügbare Zeit und das Wetter spielen aber danach lange nicht mit, so dass wir erst im Juli eine leichte Bergwanderung angehen können. Wir wählen mit der Überschreitung der drei Hörnle eine technisch einfache Wegstrecke, die dennoch mit einigen Höhenmetern daherkommt. Zwar möchte unsere Tochter ein paar kürzere Wegstrecken auch selbst laufen, insgesamt scheint es ihr jedenfalls in der Kraxe zu gefallen. Der Sommerurlaub in den Dolomiten kann dann wohl kommen!

Die Gipfelliste wird immer vollständiger
Bevor aber der Urlaub näher rückt, besuche ich noch den Höllkopf und das Zwölferköpfl. Du hast noch nie davon gehört? Das macht nichts, denn diese Gipfel sind, wie ihre noch unbekannteren Nachbarn tendenziell der Liste der Geheimtipps in den Münchner Hausbergen zuzuordnen. Auch wenn es ganz einsam auch dort nie sein wird, so freue ich mich doch jedes Mal, einen mir noch unbekannten Gipfel zu erreichen.

Sommerurlaub am Rand der Dolomiten
Obwohl wir schon lange die letzten beiden Augustwochen für einen Urlaub in Südtirol ins Auge gefasst haben, buchen wir recht kurzfristig – und haben das Glück, dennoch eine wunderbar kindgerechte Unterkunft zu finden! Die beiden Wochen auf dem Matzhof in Welschnofen, unterhalb des Karerpass, vergehen wie im Flug.
Einfache Mittelgebirgswanderungen
Von Welschnofen aus sind nicht nur die Rosengartengruppe und Latemar einen Katzensprung entfernt, sondern auch einige gemütliche Spaziergänge und Wanderungen möglich. Wir besuchen die Erdpyramiden bei Steinegg, spazieren über den Regglberg bei Deutschnofen und wandern vom Karersee über einen schönen Höhenweg zurück nach Welschnofen.

Leichte Bergwanderungen und ein Klettersteig
Selbstverständlich stehen auch einige alpinistisch interessantere Touren auf unserem Programm. Gleich am ersten Tag besteigen wir (fast zweimal) das Weißhorn. Das liegt zwar nicht mehr in den Dolomiten, sondern schon in den Fleimstaler Alpen, erfordert aber dennoch eine nur kurze Anfahrt. Das Panorama ist an dem Tag bestenfalls durchschnittlich, aber der Tiefblick in die gewaltige Bletterbachschlucht einfach großartig!

Mit der Seilbahn fahren wir beim nächsten einigermaßen schönen Tag von Welschnofen mehr als 1.000 Meter hinauf zur Kölner Hütte. Dort folgen wir, wie hunderte andere Touristen ebenfalls, dem aussichtsreichen Hirzelweg in Richtung Rotwandhütte. Aber am Christomannos-Denkmal kehren wir um: vereinzelte Regenwolken sind aufgezogen und wir eilen talwärts zum Karerpass.

An einem besonders schönen Tag bekomme ich gewissermaßen „frei“. Wie gut, dass es das Klettersteigset irgendwie in den Kofferraum geschafft hat, denn am meisten lacht mich die nicht ganz einfache Überschreitung der Rotwand an. Die in meiner Gehrichtung im Abstieg zu begehende Schlüsselstelle im Klettersteig ist zwar nicht ganz geschenkt, aber ohne größere Probleme erreiche ich den aussichtsreichen Gipfel – und genieße die überwältigende Aussicht! Der Abstieg über den Normalweg zum Karerpass ist dann nur noch eine rasche Formsache.

Der Urlaub neigt sich schon seinem Ende zu, als noch einmal für einen halben Tag halbwegs schönes Wetter angekündigt ist. Wir beschließen reichlich spontan, die Gelegenheit für einen Besuch im Latemar-Labyrinth zu nutzen. Als wir am Karerpass den Bus verlassen, ist die Wolkendecke jedoch noch geschlossen. Wir machen uns dennoch auf den Weg und werden unerwartet belohnt: gerade die vielen Wolken machen den schmalen Steig durch die aus unzähligen Bergstürzen ungeordnet herumliegenden Felsen überaus stimmungsvoll. Mal ziehen Nebelfetzen über unsere Köpfe hinweg, mal zeigen sich Felszacken des Latemar über uns oder taucht für einen Moment der Rosengarten jenseits des Passes auf. Bei Sonnenschein wäre es vermutlich nur halb so schön gewesen!

Neben den Erlebnissen am Berg kommen aber auch die täglichen Besuche bei den vielen Tieren und das Spielen im Garten nicht zu kurz. Zu einem Familienurlaub auf dem Bauernhof gehört halt noch mehr dazu, als nur Berge zu besteigen!
Rückkehr ins Karwendel
In den letzten Jahren war ich hin und wieder am Rande des Karwendels unterwegs. Gerade die so von mir geliebten langen Touren im Herzen meines Lieblingsgebirges konnte ich allerdings schon lange nicht mehr unternehmen. Umso schöner, dass sich gegen Ende September eine Möglichkeit für eine Zweitagestour in der Gleirsch-Halltal-Kette bietet. Ich steige von Hall auf einem durchaus knackigen Steig in der Nachmittagshitze zur Bettelwurfhütte auf und hebe mir die Entscheidung für die Gipfelauswahl für den Folgetag auf. Am nächsten Morgen fällt meine Wahl reichlich spontan auf die Speckkarspitze – und ich werde nicht enttäuscht. Das Karwendel liefert eben zuverlässig schöne Bergerlebnisse!

Wenige Tage später, schon Anfang Oktober, ist der erste Schnee schon gefallen – und erfreulicherweise auf den Südseiten bereits wieder geschmolzen. Eine gute Gelegenheit also, mal wieder den steilen Pürzlgrat zur Brunnsteinspitze hinaufzugehen. Kurioserweise habe ich diese Tour bisher ausschließlich zwischen Ende September und Ende Oktober gemacht – und das bleibt auch in diesem Jahr so: Traditionen wollen schließlich bewahrt bleiben.

Saisonausklang am Brunnenkopf
Die letzte Tour des Bergjahres wird noch einmal eine gemütliche Familientour. Während das Alpenvorland unter einer dichten Nebeldecke liegt, holen wir am Schloss Linderhof bei strahlendem Sonnenschein die Kraxe aus dem Kofferraum. Der an und für sich unspektakuläre Anstieg zur Brunnenkopfhütte bietet dann jedoch bereits den Höhepunkt des Tages: relativ unvermittelt möchte unsere Tochter aus der Kraxe aussteigen und selber weiterlaufen. Sie schafft auch ein für ihr Alter gutes Stück – und strahlt dabei und ist genauso glücklich wie ihre Eltern! Da ist das Gipfelerlebnis auf einmal gar nicht mehr so wichtig …

Mein Bergjahr 2025 in Zahlen
- Bergtage: 12
- Gipfel: 21, davon 10 Neuentdeckungen
- 0 Dreitausender
- 9 Zweitausender
- 12 Eintausender
- Höchster Gipfel: Rotwand, 2806 m
- Häufigster Initialbuchstabe der Gipfelnamen: H wie z. B. Hinteres Hörnle
- Höhenmeter: im Aufstieg ca. 12.300, im Abstieg ca. 12.450
- Zurückgelegte Distanz: ca. 171 km
- Besuchte Hütten: 5
Fazit
Wie schon in den beiden Vorjahren konnte ich nur vergleichsweise wenige Touren gehen. Zum Ausgleich konnte ich diese aber auch in diesem Jahr sehr genießen. Ein besonders schönes Erlebnis war natürlich die Überschreitung der Rotwand: endlich mal wieder ein richtiger Dolomitengipfel! Aber auch die gemütlichen Wanderungen mit der Familie haben mir gut gefallen. Es ist schön, entspannt und gemeinsam unterwegs zu sein und dabei die Welt mit ganz anderen Augen zu sehen. Sicherlich ist es ebenso ein Geschenk, dass unsere Tochter diese Ausflüge auch genießt und Freude an den Bergen zu haben scheint. Hoffentlich bleibt ihr dies auch in den nächsten Jahren erhalten!
Schreibe einen Kommentar